Das Landgericht Braunschweig hat eine 27-jährige Frau aus Niedersachsen zu zwölf Jahren Haft verurteilt, weil sie versucht hat, ihren Ex-Mann mit hochkonzentrierter Ameisensäure zu töten. Die Angeklagte wurde wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer und gefährlicher Körperverletzung schuldig gesprochen. Das Gericht ordnete zudem die Zahlung von 250.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer an, das nach der Tat nahezu vollständig erblindete.
Tatablauf und Hintergründe
Nach Überzeugung der Strafkammer schüttete die Deutsche im November 2025 ihrem damaligen Ehemann im gemeinsamen Haus im Landkreis Wolfenbüttel die Säure ins Gesicht. Der Mann hatte sich endgültig von ihr trennen wollen und die Scheidung eingeleitet. Die Attacke ereignete sich im Keller des Hauses. Das Opfer überlebte den Angriff nur knapp. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; eine Revision ist möglich (Az: 9 Ks 112 Js 6742/25 (3/26)).
Verteidigung und Beweislage
Die Angeklagte wies den Mordversuch zurück und behauptete, es habe einen Kampf um die Flasche mit der Ameisensäure gegeben, bei dem ein Unfall passiert sei. Die Beweisaufnahme und Zeugenvernehmungen ließen für die Richter jedoch nur den Schluss zu, dass die Frau die Säure gezielt auf ihren Ex-Partner schüttete. Das Opfer kann nach 13 Operationen nur noch Hell und Dunkel unterscheiden und wird voraussichtlich nie wieder richtig sehen.
Forderungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung
Die Staatsanwaltschaft hatte eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert. Die Nebenklage, die das Opfer vertrat, beantragte zusätzlich die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld und ein Schmerzensgeld von 250.000 Euro. Die Verteidigung plädierte dagegen auf Freispruch.
Gefährlichkeit von Ameisensäure
Ameisensäure ist eine stark riechende und stechende Flüssigkeit, die unter anderem als Desinfektionsmittel oder in Reinigungsmitteln verwendet wird. Im privaten Bereich wird sie häufig zum Entkalken von Waschmaschinen genutzt. Der Kontakt mit der Säure oder konzentrierten Dämpfen reizt die Atemwege und Augen. Auf der Haut führt sie ab einer Konzentration von über 10 Prozent zu schweren Verätzungen und Blasen. Im vorliegenden Fall hatte die Säure laut Anklage eine Konzentration von 94 Prozent.



