Angriff auf Flüchtlingsheim: Fünf gestehen – Mutter leidet bis heute
Angriff auf Flüchtlingsheim: Fünf gestehen Beteiligung

Am zweiten Verhandlungstag des Prozesses um den Angriff auf ein Flüchtlingsheim in Ilmenau haben fünf der sechs Angeklagten ihre Beteiligung eingeräumt. Mehrere von ihnen bestritten jedoch, aus rechtsextremen Motiven gehandelt zu haben. Diese Aussage stieß nicht nur beim Vertreter der Opfer auf Unglauben, sondern auch beim Vorsitzenden Richter Holger Pröbstel.

Hauptangeklagter spricht von „Erschrecken“

Der Hauptangeklagte erklärte vor dem Landgericht Erfurt, er habe lediglich Menschen erschrecken wollen. „Wir dachten, das ist ein Flur, dann hat jemand einen Stein reingeworfen, dann habe ich die Feuerwerksbatterie reingeworfen, ohne Absicht, jemanden zu schädigen“, sagte der 22-Jährige. Er habe nicht bedacht, dass durch die Detonation ein Feuer ausbrechen könne. Richter Pröbstel zweifelte diese Darstellung an und verwies auf bei Durchsuchungen gefundene Gegenstände, die auf eine rechtsextreme Gesinnung hindeuteten. Diese würden im weiteren Verfahren thematisiert.

Die Tat: Feuerwerksbatterie in Zimmer geworfen

Die Staatsanwaltschaft wirft den sechs Deutschen im Alter von 18 bis 22 Jahren vor, Ende September 2025 die Fensterscheibe einer Flüchtlingsunterkunft im Ilmenauer Ortsteil Gehren eingeschlagen und eine 19-schüssige Feuerwerksbatterie in ein Zimmer geworfen zu haben. In diesem Zimmer hielt sich eine dreiköpfige Familie aus Nordmazedonien auf. Drei der Angeklagten sind wegen versuchten Mordes angeklagt, drei wegen Beihilfe zum versuchten Mord.

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Mutter berichtet von Panik und Verletzungen

Die Mutter der Familie schilderte vor Gericht ihre Erlebnisse: Als das Feuerwerk explodierte, sei sie in Panik geraten und aus dem Fenster gesprungen, wobei sie sich unter anderem am Kopf verletzte. Die Decke und die Matratze des Bettes ihrer Tochter hätten sofort Feuer gefangen. Ihr Mann und ihre Tochter konnten das Zimmer durch die Tür verlassen. Die Mutter leidet bis heute unter Schlafstörungen infolge des Übergriffs.

Weitere Geständnisse und Ausflüchte

Vier weitere Angeklagte gaben zu, bei der Tat anwesend gewesen zu sein, betonten jedoch, keine Verletzungs- oder Tötungsabsicht gehabt zu haben. Einer der sechs Angeklagten schwieg auch am zweiten Verhandlungstag. Mindestens zwei der Männer behaupteten, sie seien eher zufällig in das Auto gestiegen, das die Gruppe zur Unterkunft brachte. Mehrere gaben an, aus Angst vor dem Hauptangeklagten mitgemacht zu haben. Wie dieser bestritten sie eine rechtsextreme Gesinnung.

Belastendes Video und Sticker

Bereits am ersten Verhandlungstag wurde ein Video aus der Tatnacht gezeigt, in dem im Auto ein rassistischer Begriff für die Flüchtlingsunterkunft gerufen und ein rechtsextremes Lied abgespielt wurde. Bei einer Hausdurchsuchung des Hauptangeklagten wurden rechtsextreme Sticker gefunden. Der Angeklagte behauptete, diese gehörten einem Bekannten, der sie vergessen habe mitzunehmen. Der Nebenklage-Anwalt der Familie konfrontierte ihn mit der Frage, wie die Sticker an seinen Kühlschrank gekommen seien, erhielt jedoch keine klare Antwort.

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