Staatsanwaltschaft erhebt Anklage nach Messerattacke vor Kieler Kneipe
Anklage nach Messerattacke vor Kieler Kneipe erhoben

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage nach blutiger Messerattacke vor Kieler Kneipe

Nach mehr als drei Jahren intensiver Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Kiel nun offiziell Anklage in einem spektakulären Gewaltfall erhoben. Drei Jugendliche müssen sich wegen einer brutalen Messerattacke vor einer Kieler Kneipe verantworten, bei der ein Mann lebensgefährlich verletzt wurde.

Langwierige Ermittlungen führen zur Anklageerhebung

Oberstaatsanwalt Michael Bimler bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, dass die Anklage gegen drei Tatverdächtige erhoben wurde. „Gegen einen zur Tatzeit 15 Jahre alten jungen Mann wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit versuchtem Totschlag und gegen zwei zur Tatzeit 17 Jahre alte junge Männer wegen gefährlicher Körperverletzung“, so Bimler wörtlich.

Die Ermittlungen gestalteten sich außerordentlich schwierig, da die Behörden anfangs keine konkreten Verdächtigen hatten. „Die Ermittler haben Stein für Stein in dem Fall umgedreht“, erklärte der Oberstaatsanwalt. Dabei wurden Handy-Daten ausgewertet und mehr als 30 Zeugen vernommen, die nun in der umfangreichen Anklageschrift aufgeführt sind.

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Streit um lackierte Fingernägel als Auslöser

Die blutige Auseinandersetzung fand bereits im November 2022 statt und hatte einen banalen Auslöser: lackierte Fingernägel eines Mannes. Nach ersten Ermittlungsergebnissen begann der Streit, als die lackierten Fingernägel eines der später Geschädigten offenbar Anstoß erregten.

Die Situation eskalierte schnell: „Danach seien schwulenfeindliche Äußerungen gefallen“, so Oberstaatsanwalt Bimler. Ob Homophobie tatsächlich das handlungstreibende Motiv für die gesamte Auseinandersetzung war oder ob die Situation einfach außer Kontrolle geriet, muss nun der Prozess klären.

Lebensgefährliche Verletzungen und erfolglose Flucht

Bei der nächtlichen Auseinandersetzung vor der Kieler Kneipe erlitt ein 23-jähriger Mann, der als Schlichter eingreifen wollte, eine lebensbedrohliche Stichverletzung am Oberkörper. Zwei weitere Männer aus der attackierten Gruppe erlitten oberflächliche Schnittverletzungen an den Armen, ein Dritter wurde durch Schläge im Gesicht verletzt.

Die Tatverdächtigen flüchteten unmittelbar nach der Attacke. Trotz einer großangelegten Fahndung mit zahlreichen Streifenwagen blieb die Suche zunächst erfolglos. Die Staatsanwaltschaft setzte damals eine Belohnung von 2.000 Euro für Hinweise aus, die zur Ergreifung der Täter führen sollten.

Motiv bleibt weiterhin unklar

Ein besonders schwieriger Aspekt des Falls ist die unklare Motivlage. „Keiner der Beschuldigten hat sich zur Sache eingelassen“, erklärte Oberstaatsanwalt Bimler. Dadurch bleibe die Frage nach dem eigentlichen Motiv weiterhin offen und schwer zu beantworten.

Die Ermittler prüften auch einen möglichen homophoben Hintergrund, konnten jedoch keine eindeutigen Beweise dafür finden. Die Jugendkammer des Landgerichts Kiel muss nun über die Eröffnung des Hauptverfahrens entscheiden. Alle drei Tatverdächtigen stammen aus Kiel, wobei der Aufenthaltsort eines von ihnen derzeit unbekannt ist.

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