Anschlag auf Weihnachtsmarkt: Zeugen berichten von Traumata
Anschlag Magdeburg: Zeugen berichten von Traumata

Im Prozess gegen den Todesfahrer vom Magdeburger Weihnachtsmarkt haben eine schwer verletzte 63-jährige Diplomsozialpädagogin und ein Auszubildender zum Notfallsanitäter als Zeugen ausgesagt. Die beiden schilderten eindrücklich, wie der Anschlag ihr Leben verändert hat.

Leben mit Rollator und Narben

Die 63-Jährige betrat den Zeugenstand gestützt auf einen Rollator. Acht Operationen musste sie seit dem 20. Dezember 2024 über sich ergehen lassen. „Ich bin auf die Hilfe anderer angewiesen, das macht mir bis heute zu schaffen“, sagte sie mit brüchiger Stimme. Vor dem Anschlag sei sie eine aktive, selbstständige Frau gewesen, die andere unterstützt habe. Nun leide sie unter Schlafstörungen, enormen Stimmungsschwankungen und einem Gefühl der Leere. „Es ist nichts mehr übriggeblieben von meinem früheren Ich“, so die Zeugin.

Notfallsanitäter verlässt Magdeburg

Der 24-jährige Auszubildende half unmittelbar nach der Tat Verletzten auf dem Weihnachtsmarkt. Manche Bilder gingen ihm nicht mehr aus dem Kopf, berichtete er. Er sei aus Magdeburg weggezogen in ein anderes Bundesland, weil er sich in seiner Heimatstadt nicht mehr sicher fühlte. Auch er leide unter Schlafstörungen, Albträumen, Flashbacks und Konzentrationsschwierigkeiten. Die psychischen Folgen des Erlebten seien enorm.

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Der Anschlag und seine Folgen

Bei dem Anschlag am 20. Dezember 2024 starben fünf Frauen und ein neunjähriger Junge. Mehr als 300 Menschen wurden teils schwerst verletzt. Laut Anklage der Generalstaatsanwaltschaft Naumburg lenkte der damals 50-jährige Taleb Al-Abdulmohsen einen mehr als zwei Tonnen schweren und 340 PS starken Wagen etwa 350 Meter weit über den Weihnachtsmarkt. Er soll mit bis zu 48 Kilometern pro Stunde unterwegs gewesen sein. Die Anklage wirft ihm unter anderem sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor.

Weitere Gutachten zu Betroffenen

Im Prozess werden weiterhin zahlreiche Gutachten zu Betroffenen erstattet, die nicht direkt körperlich verletzt wurden, deren Leben sich aber durch die Folgen des Anschlags erheblich veränderte. Sie leiden unter Schlafstörungen, Ängsten, Panikattacken, Konzentrationsstörungen und Schreckhaftigkeit. Viele vermeiden Situationen mit größeren Menschenmengen. Der Prozess wird voraussichtlich noch mehrere Wochen dauern.

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