Antisemitische Vorfälle in MV um 35 Prozent gestiegen
Antisemitische Vorfälle in MV um 35 Prozent gestiegen

In Mecklenburg-Vorpommern ist die Zahl der antisemitischen Vorfälle im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Die Dokumentations- und Informationsstelle Antisemitismus (DIA.MV) verzeichnete für 2025 insgesamt 124 gemeldete Vorfälle – ein Anstieg um 35 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das geht aus dem heute vorgestellten Jahresbericht hervor. Erfasst wurden dabei auch Vorfälle, die unterhalb der Strafbarkeitsgrenze liegen, wie Beleidigungen, Hakenkreuzschmierereien oder Drohungen.

Land fördert Dokumentationsstelle mit EU-Mitteln

Kulturministerin Bettina Martin (SPD) nannte die Entwicklung besorgniserregend. „Der Kampf gegen Antisemitismus ist eine tägliche Aufgabe“, betonte sie. Die Dokumentationsstelle besteht seit 2021 und wird seit ihrer Gründung vom Land aus EU-Mitteln gefördert. In diesem Jahr beträgt die Fördersumme rund 190.000 Euro. Die EU-Mittel sind bis Ende 2027 gesichert.

Die von der DIA dokumentierten Vorfälle reichen von verbalen Angriffen im öffentlichen Raum über Beschmierungen an Gedenkorten bis hin zu physischen Angriffen. Wie bereits in den vergangenen drei Jahren sei mit 36 Prozent die Mehrheit der Fälle im Nordosten auf eine rechtsextreme Motivation zurückzuführen, heißt es in dem 100 Seiten umfassenden Jahresbericht.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Mehr antisemitische Straftaten

Obwohl der rechtsextremistische Hintergrund dominiert, lassen sich die Vorfälle nicht nur einem politischen Milieu zuordnen. Dokumentiert wurden auch wenige Fälle aus der linksextremistischen Szene sowie dem Bereich antiisraelischer Aktivismus. So wurde etwa in Rostock der Sticker einer israelfeindlichen Gruppe entdeckt, der das Gebiet Israel, Gaza-Streifen und Westjordanland ohne die Grenzen des Staates Israel zeigt. Darüber stand in arabischer Schrift „Palästina“.

Die Statistik der Meldestelle erfasst antisemitische Vorfälle unabhängig von ihrer strafrechtlichen Relevanz oder Schwere. Offiziell registrierte antisemitische Straftaten weist das Innenministerium als politisch motivierte Kriminalität aus. Deren Zahl stieg von 2024 auf 2025 um 12,9 Prozent von 124 auf 140, wie das Innenministerium Ende April mitteilte.

Rabbiner: Antisemitismus soll Ängste schüren

Zur Vorstellung des Jahresberichts waren unter anderen Landesrabbiner Yuriy Kadnykov, Europa-Abgeordnete Sabrina Repp (SPD), CDU-Landtagsfraktionschef Daniel Peters und der Landesbeauftragte für das jüdische Leben und gegen Antisemitismus in MV, Nikolaus Voss, ins Max-Samuel-Haus nach Rostock gekommen.

Kadnykov warnte, durch Antisemitismus sollten Ängste geschürt und Klischees weitergetragen werden. „Antisemitismus ist der erste Grundgedanke für Fremdenfeindlichkeit.“ Maria Lichtermann von der DIA betonte, die dokumentierten Vorfälle seien keine abstrakten Phänomene, sondern sehr konkret. Sie trügen zur Verstetigung antisemitischer Denkweisen in der Gesellschaft bei und müssten sichtbar und damit bekämpfbar gemacht werden.

CDU-Fraktionschef Peters hatte bereits vor Veröffentlichung des Berichts die Arbeit von DIA.MV gewürdigt und zugleich auf unterschiedliche Erscheinungsformen des Antisemitismus verwiesen. Dieser komme nicht nur von rechts, sondern ebenso aus urbanen, linken, akademischen sowie aus migrantischen Milieus. „Gerade seit dem 7. Oktober erleben wir bundesweit, wie unter dem Deckmantel vermeintlicher Israelkritik offen antisemitische Narrative verbreitet werden“, so Peters.

Am 7. Oktober 2023 starben in Israel bei einem Überfall der islamistischen Hamas und anderer palästinensischer Gruppen rund 1.200 Menschen. Mehr als 250 Menschen wurden damals als Geiseln nach Gaza verschleppt. Der Terrorakt war Auslöser für den Gaza-Krieg.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration