Ein schwerer Böller-Unfall hat das Leben des neunjährigen Ben aus Neu Krenzlin im Landkreis Ludwigslust-Parchim völlig verändert. Am 19. April dieses Jahres verlor er durch die Explosion eines vermutlich gefundenen Böllers nicht nur sein Augenlicht, sondern auch beide Hände. Seitdem kämpft der Junge tapfer um seine Genesung, unterstützt von seiner Mutter Carmen Brosius, die Tag und Nacht an seiner Seite in der Uniklinik Lübeck ist.
Der Unfall und seine Folgen
Ben war mit seiner Freundin Maria (10) in einem Waldstück unterwegs, als er den Böller fand. Die Detonation war so heftig, dass seine Hände schwer verletzt wurden und amputiert werden mussten. Zudem erlosch sein Sehvermögen vollständig. „Mama, bleibt es immer so dunkel?“, fragte Ben nach dem Erwachen. Seine Mutter musste ihm erklären, dass die Ärzte alles versucht haben, aber sein Augenlicht nicht retten konnten.
Der Alltag im Krankenhaus
Carmen Brosius beschreibt den anstrengenden Alltag: „Ich füttere Ben, wasche ihn, ziehe ihn um und bringe ihn zur Toilette. Er kann nichts alleine.“ Der Junge lag mehrere Tage im künstlichen Koma und hat durch die lange Bettlägerigkeit Muskelkraft verloren. Ohne Orientierung fällt ihm das Laufen schwer, sodass er nun auf einen Rollstuhl angewiesen ist. „Man muss sich das vorstellen: Er liegt im Bett. Bei anderen Kindern sage ich: Hier hast du ein Tablet, schau dir einen Film an. Aber das geht nicht. Wenn ich nicht da bin, liegt er einfach nur da.“
Psychische Belastung für die Familie
Die vierfache Mutter wohnt auf dem Krankenhausgelände in einer kleinen Wohnung. „Das ist unglaublich anstrengend. Manchmal werde ich schon um halb sechs morgens gerufen, und der Tag endet oft erst nach 22 Uhr. Psychisch stoße ich da an meine Grenzen.“ Ihre drei anderen Kinder (4, 15 und 17) werden zu Hause von einer Pflegemutter betreut, die das Jugendamt organisierte. „Sie zeigen großes Verständnis, aber Ben vermisst seine Geschwister und weint viel.“
Der Verlust der Hände
Neben der Blindheit muss Ben auch den Verlust seiner Hände verarbeiten. Ein Kinderpsychologe begleitet ihn dabei. „Es zerreißt mir das Herz, wenn er sagt, er vermisst seine Hände“, so die Mutter. Die Ärzte konzentrieren sich nun auf die Versorgung der Armstümpfe. Für den kommenden Mittwoch ist eine größere Operation geplant, da an einem Armstumpf zu wenig Haut vorhanden ist und der Knochen herausragt. „Aus dem Oberschenkel entnehmen die Chirurgen Nervenbahnen und Blutgefäße und setzen sie wieder an“, erklärt Brosius. „Ziel ist es, dass Ben später vorn im Armstumpf wieder Gefühle hat.“ Ein Team aus Neurochirurgen, plastischen Chirurgen und Kinderchirurgen arbeitet dabei zusammen.
Technische Hilfsmittel und Prothesen
Ben wird an einem Arm eine Prothese tragen. Sobald in seinem Armstumpf wieder Gefühl entsteht, kann er Gegenstände ertasten und mit der Prothese greifen. Die Mutter möchte nicht nur ein Kassenmodell, sondern setzt einen Teil der Spenden für eine bessere Prothese ein. Auch plant sie Umbauten im gemieteten Haus, wie Akustiksignale an Treppen und die Verlegung von Bens Zimmer ins Erdgeschoss. „Ich bin Chris Hogrefe total dankbar, dass er sich so um uns kümmert und immer neue Vorschläge macht“, sagt sie. Hogrefe hat bereits einen Termin in einer Blindenschule vereinbart.
Spendenaktion und Unterstützung
Über die Plattform GoFundMe haben bisher 1300 Menschen mehr als 45.700 Euro gespendet. Chris Hogrefe, ein IT-Spezialist aus Heidesee, organisierte die Aktion. Er vermittelte auch ein Fahrrad mit Beiwagen von Fahrradgeschäft Winkelmann und einen kostenlosen Hol- und Bringservice für das Auto der Familie durch Sternauto Schwerin. Zudem soll Ben ein sprachgesteuertes Handy mit Hinderniserkennung erhalten, um unabhängiger zu werden. Ehrenamtliche könnten ihn über den Dienst „Be My Eyes“ unterstützen.
Zukunftspläne
Carmen Brosius möchte Ben nach dem Krankenhaus- und Reha-Aufenthalt nicht in ein Internat schicken. Sie hat Kontakt mit dem Landesförderzentrum Sehen aufgenommen. „Heutzutage kehren blinde und sehbehinderte Kinder an ihre alten Schulen zurück, wo sie Hilfsmittel und einen Schulbegleiter erhalten“, erklärt sie. Der tapfere Junge hat noch einen langen Weg vor sich, aber mit der Unterstützung seiner Familie und vieler Spender sieht er einer hoffnungsvollen Zukunft entgegen.



