Bill Clinton vor Kongressausschuss: Keine Kenntnis von Epsteins Verbrechen
Bill Clinton vor Kongress: Keine Kenntnis von Epsteins Verbrechen

Bill Clinton vor Kongressausschuss: Keine Kenntnis von Epsteins Verbrechen

In einer äußerst seltenen Anhörung hat der frühere US-Präsident Bill Clinton vor einem Ausschuss des US-Kongresses ausgesagt. Der 79-Jährige wies dabei jede Kenntnis von den Straftaten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein entschieden zurück. „Ich habe nichts gesehen und nichts Falsches getan“, lautete die zentrale Aussage in seiner vorbereiteten Erklärung für den Kontrollausschuss des Repräsentantenhauses.

Clintons Aussage unter Eid

Clinton betonte, seine Bekanntschaft mit Epstein sei nur von kurzer Dauer gewesen und habe bereits Jahre vor der Aufdeckung von Epsteins Verbrechen geendet. „Während meiner begrenzten Kontakte habe ich keinerlei Anzeichen für das tatsächliche Geschehen wahrgenommen“, erklärte der ehemalige Präsident. Mit Blick auf die erwarteten Detailfragen sagte er voraus: „Sie werden mich oft sagen hören, dass ich mich nicht erinnere.“ Dies möge unbefriedigend wirken, doch er werde unter Eid nichts aussagen, dessen er sich nicht absolut sicher sei.

Spekulationen oder Mutmaßungen lehnte Clinton kategorisch ab – er werde „nicht 24 Jahre später Detektiv spielen“. Hätte ihm auch nur der geringste Verdacht gekommen, hätte er Epstein nach eigenen Angaben sofort gemeldet. Gleichzeitig verteidigte Clinton seine Ehefrau Hillary Clinton entschieden. Die frühere Außenministerin habe „nichts mit Jeffrey Epstein zu tun“ gehabt, sei nie mit ihm gereist und habe keine seiner Immobilien besucht.

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Historische Befragung in Chappaqua

Die nicht öffentliche Anhörung fand in Chappaqua im US-Bundesstaat New York statt, wo die Clintons ihren Wohnsitz haben. Es handelt sich um einen historischen Vorgang: Erstmals seit Jahrzehnten sagte ein früherer US-Präsident vor einem Kongressausschuss aus. Am Vortag war bereits Hillary Clinton befragt worden, die bei mindestens einem Dutzend Fragen auf ihren Mann verwiesen hatte.

Der republikanische Vorsitzende des Kontrollausschusses, James Comer, betonte, dass den Clintons derzeit kein Fehlverhalten vorgeworfen werde. Das Ziel der Untersuchung sei vielmehr, zu klären, wie Epstein zu seinem Einfluss und Reichtum gelangte und welche Netzwerke ihn möglicherweise geschützt hätten. Vor Beginn der Befragung erklärte Comer, man werde den Ex-Präsidenten zu folgenden Punkten befragen:

  • Fotos mit Jeffrey Epstein
  • E-Mail-Korrespondenzen
  • Reisebewegungen im Zusammenhang mit Epstein

Bekannt ist unter anderem, dass Epstein während Clintons Präsidentschaft 17 Mal im Weißen Haus war und der Ex-Präsident mindestens 27 Mal mit Epsteins Privatflugzeug reiste.

Politische Reaktionen und Forderungen

US-Präsident Donald Trump äußerte sein Bedauern über die Anhörung von Bill Clinton. „Ich mag ihn und es gefällt mir nicht, ihn unter Eid aussagen zu sehen“, sagte Trump in Washington. Gleichzeitig behauptete er, dass er selbst deutlich stärker unter Druck gesetzt worden sei. In der Vergangenheit hatte Trump, der in der Epstein-Affäre selbst in den Fokus geraten war, immer wieder versucht, die Aufmerksamkeit auf Clinton zu lenken.

Demokratische Ausschussmitglieder warfen Comer ein politisch motiviertes Vorgehen vor und forderten, stärker mögliche Verbindungen anderer Akteure in den Fokus zu rücken. Während einer Pause der Befragung von Bill Clinton verlangten sie, dass nun auch Trump unter Eid vor dem Ausschuss erscheinen müsse. Der Demokrat Ro Khanna erklärte, mit Bill Clintons Aussage sei ein Präzedenzfall geschaffen worden: Wenn ein früherer Präsident einer Vorladung des Kongresses Folge leisten müsse, dann müsse das auch für Trump gelten.

Republikanische Vorwürfe und offene Fragen

Republikanische Ausschussmitglieder warfen Hillary Clinton nach ihrer Befragung am Vortag merkwürdiges Verhalten vor. Sie soll bei Fragen zu bestimmten Fotos „geschrien“ haben, wie eine Abgeordnete behauptete, die ihr Auftreten als „unhinged“ (etwa: außer Kontrolle oder hysterisch) bezeichnete. Belege für diese Darstellung wurden jedoch nicht vorgelegt. Die Republikaner kündigten an, die Videoaufzeichnungen der Anhörungen „so schnell wie möglich“ vollständig zu veröffentlichen.

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Nach ihrer Befragung betonte Hillary Clinton gegenüber Journalisten, sie sei sich sicher, dass ihr Mann nichts über Epsteins Verbrechen wisse. Gleichzeitig blieben Fragen zu Epsteins angeblicher Rolle im Umfeld der Clinton Foundation – einer von den Clintons gegründeten gemeinnützigen Stiftung – sowie der „Clinton Global Initiative“ offen.

Historische Verbindungen zwischen Clinton und Epstein

Bill Clintons Name wird in den USA schon länger mit Jeffrey Epstein in Verbindung gebracht. Einer BBC-Recherche zufolge existieren bereits Fotos von Clinton und Epstein aus den frühen 1990er-Jahren. Öffentliche Aufzeichnungen zeigen demnach, dass Epstein 1992 für Clintons damaligen Präsidentschaftswahlkampf spendete. Damals war von Epsteins Verbrechen noch nichts öffentlich bekannt.

Der Finanzier Jeffrey Epstein war in der High Society bestens vernetzt und pflegte Kontakte zu zahlreichen prominenten Persönlichkeiten. Der Kontakt zwischen Clinton und Epstein hielt zumindest in den früheren 2000er-Jahren an. In den bisher veröffentlichten Epstein-Akten taucht Clinton mehrmals auf: Auf einem Bild ist der Demokrat etwa beim Schwimmen in einem Pool mit Epsteins Gehilfin Ghislaine Maxwell zu sehen. Auf anderen Fotos erscheint er ohne direkten Bezug zu den beiden.

Der Kongressausschuss will durch die Befragungen klären, wie Epstein zu seinem enormen Einfluss gelangen konnte und welche Netzwerke ihn möglicherweise über Jahre geschützt haben. Die Untersuchung wirft ein Schlaglicht auf die Verflechtungen zwischen Politik, Finanzwelt und Prominenz in den Vereinigten Staaten.