Antisemitische Straftaten in Brandenburg: Politiker fordern entschlossenes Vorgehen
In Brandenburg zeigen neue Zahlen zu antisemitischen Straftaten eine alarmierende Entwicklung. Der Antisemitismus-Beauftragte Andreas Büttner und der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Noack mahnen, dass diese Vorfälle kein Randphänomen darstellen und fordern umfassende Gegenmaßnahmen.
Besorgniserregende Statistik für das Jahr 2025
Die Polizei in Brandenburg erfasste im Jahr 2025 insgesamt 243 Straftaten gegen Jüdinnen und Juden sowie 19 politisch motivierte Straftaten gegen jüdische Einrichtungen. Diese Daten gehen aus der Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage von Andreas Noack hervor und verdeutlichen die anhaltende Bedrohungslage.
Andreas Büttner, der Beauftragte gegen Antisemitismus, betont: „Antisemitismus ist kein Randphänomen und kein Relikt der Vergangenheit. Er zeigt sich heute offen, aggressiv und zunehmend enthemmt.“ Ein besonders drastisches Beispiel ereignete sich im Januar in Templin in der Uckermark, wo auf dem Grundstück des Beauftragten ein Brandanschlag verübt und ein Symbol der palästinensischen Terrororganisation Hamas angebracht wurde.
Langfristiger Anstieg der Straftaten
Die Entwicklung der antisemitischen Straftaten in Brandenburg zeigt einen deutlichen Anstieg seit dem Jahr 2022. Besonders markant war der Zuwachs von 2022 auf 2023, der zeitlich mit dem Überfall islamistischer Terroristen und der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem darauffolgenden Gaza-Krieg zusammenfiel.
Im Jahr 2024 verzeichnete die Kriminalstatistik insgesamt 276 Straftaten gegen Juden sowie jüdische Einrichtungen in Brandenburg. Diese Zahl teilt sich auf in 20 Straftaten gegen jüdische Einrichtungen und 256 weitere antisemitische Vorfälle, darunter Delikte wie Beleidigung, Bedrohung, Propagandadelikte und Körperverletzung.
Die Fachstelle Antisemitismus Brandenburg dokumentierte im vergangenen Jahr sogar 484 antisemitische Vorfälle, was einem Zuwachs von 28,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Diese Statistik umfasst auch Vorfälle unterhalb der strafrechtlichen Relevanz und zeigt damit das gesamte Ausmaß des Problems.
Forderungen nach umfassenden Gegenmaßnahmen
Noack und Büttner fordern ein entschlossenes und mehrdimensionales Handeln gegen Antisemitismus. In einer gemeinsamen Stellungnahme schreiben sie: „Straftaten in diesem Phänomenbereich bedürfen besonderer Aufmerksamkeit. Dies bedeutet eine konsequente Strafverfolgung, eine klare Benennung antisemitischer Tatmotive, eine ausreichende personelle Ausstattung der Sicherheitsbehörden sowie eine enge Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden und zivilgesellschaftlichen Initiativen.“
Besonderes Augenmerk legen die Politiker auf präventive Maßnahmen. Sie fordern eine verstärkte Präventionsarbeit an Schulen und in der politischen Bildung, um bereits frühzeitig gegen antisemitische Einstellungen vorzugehen.
Antisemitismus in sozialen Netzwerken
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bekämpfung von Antisemitismus in digitalen Räumen. Die Politiker weisen darauf hin, dass sich antisemitische Hetze zunehmend über soziale Netzwerke verbreitet. „Antisemitismus beginnt nicht erst mit der Straftat. Er beginnt mit Worten, mit Ressentiments, mit Ausgrenzung. Deshalb muss auch dort entschieden widersprochen werden“, heißt es in ihrer Erklärung.
Die aktuellen Zahlen und Vorfälle unterstreichen die Dringlichkeit, gegen Antisemitismus in Brandenburg vorzugehen. Die Forderungen der Politiker zielen darauf ab, sowohl repressive als auch präventive Maßnahmen zu verstärken, um der besorgniserregenden Entwicklung wirksam zu begegnen.



