Brandenburg will Polizei gegen rechte Hetze im Netz stärken - KI und neue Befugnisse geplant
Brandenburg stärkt Polizei gegen rechte Hetze im Netz

Brandenburgs Kampf gegen rechte Hetze im Netz: Polizei soll gestärkt werden

Die Sicherheitsbehörden in Brandenburg schlagen Alarm: Rechte Hetze verbreitet sich im Internet mit besorgniserregender Geschwindigkeit, insbesondere unter jungen Menschen. Innenminister Jan Redmann (CDU) zeigt sich tief besorgt über diese Entwicklung und kündigt umfassende Maßnahmen zur Stärkung der Polizei an.

Radikalisierung junger Menschen nimmt zu

Polizeipräsident Oliver Stepien betonte bei einer Pressekonferenz in Potsdam die Veränderungen im Bereich der politisch motivierten Kriminalität. „Die Täter werden jünger, digitaler und gewaltbereiter“, erklärte Stepien. Diese Entwicklung stellt die Sicherheitsbehörden vor neue Herausforderungen, die mit traditionellen Ermittlungsmethoden allein nicht mehr zu bewältigen sind.

Obwohl die Gesamtzahl politisch motivierter Straftaten in Brandenburg 2025 um ein Fünftel auf 5.443 Fälle sank – hauptsächlich aufgrund weniger Sachbeschädigungen nach dem Superwahljahr 2024 –, zeigt die Statistik alarmierende Trends. Zwei Drittel dieser Straftaten sind dem rechten Spektrum zuzuordnen, wobei Propagandadelikte wie das Verwenden verbotener Symbole dominieren.

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Besorgniserregende Gewaltentwicklung

Besonders bedenklich ist der Anstieg rechtsmotivierter Gewaltstraftaten um 28,3 Prozent auf 145 Fälle im vergangenen Jahr. „Dies stellt eine ernsthafte Bedrohung für unsere demokratische Gesellschaft dar“, warnte Polizeipräsident Stepien. Die Sicherheitsbehörden beobachten zudem weiterhin mutmaßliche rechtsextremistische Gruppierungen wie die „Letzte Verteidigungswelle“, bei deren Ermittlungen in mehreren Bundesländern bereits Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren festgenommen wurden.

Weitere besorgniserregende Vorfälle umfassen Überfälle auf homosexuelle Männer, die über Dating-Plattformen kontaktiert wurden. Auch antisemitische Straftaten bleiben mit 273 registrierten Fällen auf hohem Niveau, darunter sechs Gewaltdelikte.

Neue Ermittlungsbefugnisse und KI-Einsatz geplant

Das Brandenburger Innenministerium plant eine umfassende Erneuerung des Polizeigesetzes, um den Beamten mehr Möglichkeiten zur Bekämpfung digitaler Kriminalität zu geben. Ein zentraler Baustein soll der Einsatz Künstlicher Intelligenz werden, für den derzeit eine spezielle Strategie entwickelt wird. Denkbar sind dabei:

  • Erkennung bestimmter Verhaltensmuster in digitalen Kommunikationskanälen
  • Gesichtserkennungstechnologien zur Identifizierung von Straftätern
  • Analyse verschlüsselter Kommunikation, die bisher schwer zu überwachen war

Innenminister Redmann betonte jedoch, dass technische Lösungen allein nicht ausreichen: „Die Wirkung sozialer Medien ist inzwischen so massiv, dass Aufklärung und Sozialarbeiter alleine nicht weiterhelfen.“

Prävention und verschärfte Gesetze

Neben technischen Maßnahmen plant die Polizei eine Intensivierung der Präventionsarbeit in Schulen, einschließlich digitaler Elternabende. Gleichzeitig fordert Innenminister Redmann eine grundlegende Änderung des Jugendstrafrechts: Die Herabsetzung der Strafmündigkeit von 14 auf 12 Jahre soll ermöglichen, bereits bei 12- und 13-Jährigen erzieherische Maßnahmen durchzuführen.

Der CDU-Politiker spricht sich zudem klar für ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren aus. „Die Verrohung auch bei jungen Menschen nimmt zu, das erfüllt mich mit großer Sorge“, begründete Redmann seine Forderung. Diese Position findet Unterstützung auf Bundesebene, wo Bildungsministerin Karin Prien (CDU) ebenfalls vor zunehmender Radikalisierung Jugendlicher in sozialen Medien gewarnt hat.

Langfristige Strategie gegen digitale Radikalisierung

Die geplanten Maßnahmen in Brandenburg umfassen somit ein mehrstufiges Vorgehen:

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  1. Technische Aufrüstung der Polizei durch KI und erweiterte Ermittlungsbefugnisse
  2. Intensivierte Präventionsarbeit in Bildungseinrichtungen
  3. Gesetzliche Anpassungen im Jugendstrafrecht
  4. Regulierungsmaßnahmen für soziale Medien

Diese umfassende Strategie soll der zunehmenden Digitalisierung extremistischer Propaganda begegnen und insbesondere junge Menschen vor Radikalisierung schützen. Die Sicherheitsbehörden betonen jedoch, dass diese Maßnahmen nur im Zusammenspiel mit gesellschaftlicher Aufklärung und zivilgesellschaftlichem Engagement wirksam sein können.