Darknet-Betrug mit Kinderpornografie: 373.000 Seiten abgeschaltet, Hunderte Nutzer identifiziert
Darknet-Betrug: 373.000 Seiten abgeschaltet, Hunderte identifiziert

Globaler Schlag gegen Darknet-Betrug mit Kinderpornografie

Im Kampf gegen Kinderpornografie im Darknet haben bayerische Ermittler einen spektakulären Erfolg erzielt. Mehr als 373.000 Seiten wurden stillgelegt und Hunderte Nutzer identifiziert, die mutmaßlich in einen globalen Betrugsring verwickelt sind. Die Operation richtete sich gegen eine komplexe Fake-Shop-Struktur, die Interessierte mit echten Abbildungen schwerer sexualisierter Gewalt gegen Kinder köderte, um sie finanziell auszunehmen.

Vier Jahre Ermittlungen führen zu weltweiter Koordination

Seit über vier Jahren hatten Spezialisten des Bayerischen Landeskriminalamts und der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg die Darknet-Plattform „Alice with Violence CP“ im Visier. Im Laufe der Ermittlungen stellten die Experten fest, dass der mutmaßliche Haupttäter – ein 35-jähriger Chinese – ein Netzwerk von über 373.000 Seiten im Darknet betrieb. „Das Fundament dieses Netzwerks bildeten insgesamt 122 Plattformvarianten, die tausendfach vervielfältigt wurden“, erklärten die Behörden.

Zwischen Februar 2020 und Juli 2025 bot der Verdächtige auf 32 verschiedenen Plattformen kinderpornografische Inhalte zum Kauf an, die über mehr als 90.000 spezifische Seiten erreichbar waren. Neben dem Hauptverdächtigen wird nun gegen etwa 600 Nutzer ermittelt, die in diesem Zeitraum Zahlungen auf den Plattformen getätigt haben sollen.

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Neue Tools und akribische Analyse führen zur Identifizierung

Den Ermittlern gelang es durch die akribische Auswertung von Kryptowährungsströmen, die Identitäten der Nutzer trotz versuchter Verschleierung aufzudecken. Neue technische Tools spielten dabei eine entscheidende Rolle. An der „Operation Alice“ beteiligten sich weltweit 23 Staaten unter Koordination von Europol, was die internationale Dimension des Falls unterstreicht.

In Deutschland fanden Durchsuchungen gegen 14 Verdächtige in neun Bundesländern statt: Bayern, Berlin, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen. Insgesamt wurden im gesamten Ermittlungskomplex Verfahren gegen 89 Beschuldigte aus Deutschland geführt.

Spur führt nach Starnberg: Sofortiges Handeln bei Kindesgefahr

Die Beamten betonten, dass sofort gehandelt wurde, wenn konkrete Gefahren für Kinder erkannt wurden. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist der Fall eines 31-jährigen Vaters aus dem oberbayerischen Starnberg. Dieser hatte für 20 US-Dollar den Kauf von 70 Gigabyte Abbildungen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs versucht.

Schon Anfang August 2023 durchsuchten Ermittler seine Wohnung, obwohl dort ein sogenannter Totmannschalter zur sofortigen Stromabschaltung verbaut war. Dennoch konnten wichtige Daten gesichert werden. Der Mann ist mittlerweile rechtskräftig verurteilt worden.

Deutsche Server als Basis des kriminellen Netzwerks

Dem gesuchten Chinesen wird vorgeworfen, von November 2019 bis zuletzt ein Netzwerk betrieben zu haben, das in der Spitze aus bis zu 287 Servern bestand. Er nutzte einschlägige Linksammlungen und Darknet-Suchmaschinen, um auf seine Seiten aufmerksam zu machen. Interessanterweise mietete er seine Server überwiegend bei deutschen Providern an – zuletzt waren es 105 aktive Server mit Standort in der Bundesrepublik.

Ein Sprecher des Landeskriminalamts erklärte, dass deutsche Server vermutlich wegen ihrer Zuverlässigkeit und Ausfallsicherheit ausgewählt wurden. Diese Server wurden am Dienstag beschlagnahmt und die entsprechenden Webseiten mit einem Hinweistext versehen.

Justizminister betont unfassbares Leid der Kinder

Bayerns Justizminister Georg Eisenreich (CSU) äußerte sich entsetzt über die Dimension des Falls: „Die Fake-Shops warben mit echtem kinderpornografischem Material. Man darf nicht vergessen: Hinter jedem Bild, hinter jedem Video steht das unfassbare Leid eines Kindes.“ Das Verfahren zeige auch, wie erschreckend groß die Nachfrage nach solchem Material sei.

Die Ermittlungen werden voraussichtlich noch einige Zeit andauern, da im Rahmen der polizeilichen Maßnahmen eine Vielzahl von elektronischen Datenträgern, Mobiltelefonen und Computern sichergestellt wurde, die nun ausgewertet werden müssen.

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