Diesel-Diebstahl auf Baustellen: Sachsen kämpft mit systematischem Kraftstoffklau
Trotz der weiterhin hohen Spritpreise ist in Sachsen kein sprunghafter Anstieg bei Kraftstoffdiebstählen zu verzeichnen. Allerdings bleiben Baustellen ein besonders attraktives Ziel für organisierte Diebe, die dort regelmäßig große Mengen Diesel aus Baufahrzeugen abzapfen. Das ergaben aktuelle Erhebungen bei den fünf Polizeidirektionen im Freistaat.
Polizei registriert konstante Fallzahlen
Die Polizei in Leipzig berichtet von monatlich ein- bis zweistelligen Fallzahlen bei Kraftstoffdiebstählen, die sich seit Jahren auf diesem Niveau bewegen. Ein signifikanter Anstieg seit dem Preissprung an den Tankstellen ist jedoch nicht feststellbar. Dennoch raten die Behörden zu verstärkten Präventionsmaßnahmen, um Diebstähle zu verhindern oder zumindest zu erschweren.
Empfehlungen der Polizei zur Diebstahlsprävention
Die Polizei empfiehlt folgende Schutzmaßnahmen:
- Fahrzeuge möglichst nicht vollgetankt im Dunkeln und fernab von bewohnten Gebieten parken
- Abschließbare Tankdeckel verwenden
- Überwachungs- und Alarmanlagen installieren
- Tankanlagen in landwirtschaftlichen oder gewerblichen Bereichen zugangssicher gestalten
- Beleuchtung, Alarmierung und Bewegungsmelder einsetzen
Spektakulärer Fall mit 13.000 Litern Diesel
Im März registrierte die Polizei im Raum Leipzig insgesamt 16 Kraftstoffdiebstähle. Ein besonders schwerwiegender Fall ereignete sich zwischen dem 23. und 25. März in Brandis: Unbekannte Täter entwendeten aus einer Tankstelle eines Agrarbetriebs ganze 13.000 Liter Diesel. Dieser Fall zeigt das Ausmaß, das organisierter Kraftstoffdiebstahl annehmen kann.
Regionale Unterschiede in der Kriminalitätsstatistik
Während die Polizeidirektion Chemnitz für März steigende Fallzahlen meldet – zwölf Fälle in Chemnitz, Mittelsachsen und dem Erzgebirgskreis – verzeichnet die Direktion Zwickau keine Auffälligkeiten. Dort wurden lediglich fünf Kraftstoffdiebstähle im gleichen Zeitraum bekannt. Auch in Görlitz und Dresden sehen die Behörden keine Häufung der Delikte.
Baumaschinen als bevorzugte Ziele
Die Diebe konzentrieren sich besonders auf Baumaschinen, die deutlich größere Tanks als Personenkraftwagen haben. Allein im Bereich der Polizeidirektion Chemnitz gab es im März fünf erfolgreiche Diebstähle und drei Versuche an Baugeräten. So entwendeten Unbekannte aus zwei Baggern im Steinbruch Eibenstock insgesamt 500 Liter Diesel im Wert von etwa 1.100 Euro. Die gleiche Menge wurde aus einem Lkw-Tank an der A4 nördlich von Chemnitz gestohlen.
Erfolgreiche Aufklärung durch Videoüberwachung
In einem Fall im Industriepark Schwarze Pumpe konnte die Polizei den Täter auf frischer Tat ertappen: Eine Überwachungskamera filmte einen 63-Jährigen, wie er Diesel im Wert von rund 100 Euro aus einem Tank abzapfte. Dieser Fall zeigt die Wirksamkeit technischer Sicherungsmaßnahmen.
Weitere Vorfälle in der Landeshauptstadt
Auch in Dresden gab es im März mehrere Vorfälle: Auf einer Baustelle am Rossendorfer Ring ließen Unbekannte aus drei Fahrzeugen insgesamt etwa 630 Liter Diesel mitgehen. Auf einer anderen Baustelle in der Neustadt wurden rund 500 Liter Diesel von einer Raupe und einem Bagger abgezapft. Die Polizei betont jedoch, dass es keinen signifikanten Anstieg der Fallzahlen gibt.
Insgesamt zeigt sich, dass Kraftstoffdiebstahl auf Baustellen in Sachsen ein anhaltendes Problem darstellt, das trotz hoher Spritpreise nicht wesentlich zugenommen hat. Die Polizei setzt auf Prävention und technische Sicherungsmaßnahmen, um die Diebe abzuschrecken und die Aufklärungsquote zu erhöhen.



