Koffein statt Kokain: Tochter von getötetem Drogenboss El Mencho führt Café in Kalifornien
Ihr Vater verbreitete Tod und Verderben, sie serviert Latte macchiato. Die 24-jährige Laisha Oseguera, Tochter des kürzlich getöteten Kartellchefs El Mencho, betreibt in Kalifornien ein Café. Mitten in einem ganz normalen Einkaufszentrum im südkalifornischen Perris mit knapp 80.000 Einwohnern. Doch ganz so harmlos, wie sie sich gibt, ist sie offenbar nicht.
Idyllisches Café mit dunklem Hintergrund
Im Café „El Rincón“ („Die Ecke“) in der Stripmall in Perris wirkt alles nett und einladend. Eine neonfarbene Kaffeetasse ziert das Fenster, süße Crêpes werden auf Herz-Tellern serviert, und Kreideschrift auf Tafeln wirbt für Kreationen wie Cookie-Latte und Erdbeer-Matcha. Doch dieses scheinbar biedere Lokal gehört laut Berichten der „New York Post“ der Tochter des bis zu seinem Tod wohl gefährlichsten Kartellbosses der Welt.
El Mencho, mit bürgerlichem Namen Nemesio Rubén Oseguera Cervantes, war der Kopf des berüchtigten „Cártel Jalisco Nueva Generación“ (CJNG), einer der brutalsten Drogenorganisationen Mexikos. Das Kartell schmuggelt Kokain, Heroin, Fentanyl und Methamphetamin tonnenweise in die USA und bis nach Europa. Am 22. Februar wurde der 59-Jährige bei einem Militäreinsatz im mexikanischen Bundesstaat Jalisco gestellt und so schwer verletzt, dass er auf dem Weg ins Krankenhaus starb. Sein Tod löste landesweit schwere Angriffe des Kartells aus, bei denen mindestens 74 Menschen ums Leben kamen.
Doppelleben zwischen Café und Kartell
Während in Mexiko Straßensperren brannten und Geschäfte in Flammen aufgingen, wurde in Perris weiterhin Milchschaum aufgeschlagen. Kunden beschreiben die Tochter des Drogenbosses als „nett“ und „respektvoll“. Von ihrem berüchtigten Vater sei im Café nie die Rede. Allerdings soll sie mexikanischen Medien zufolge bei seiner Beerdigung anwesend gewesen sein. Auf Fotos ist eine junge Frau mit blond gefärbten Haaren und dunkler Sonnenbrille am goldenen Sarg zu sehen.
Doch das Leben der 24-Jährigen ist bei weitem nicht so bieder, wie es auf den ersten Blick erscheint. Laisha Oseguera soll mit Cristian Gutiérrez-Ochoa (39) verheiratet sein, einem Offizier des CJNG. Er soll aus Rache für die Verhaftung seiner Schwiegermutter zwei Angehörige der mexikanischen Marine entführt haben. Um einer Verhaftung zu entgehen, täuschte er seinen Tod vor und setzte sich durch einen Tunnel aus Tijuana in die USA ab. Im Jahr 2024 wurde er in Kalifornien festgenommen und wegen Drogenschmuggels sowie Geldwäsche zu elf Jahren Haft verurteilt. Laisha soll immer noch in dem Haus wohnen, das er für 1,2 Millionen Dollar in bar gekauft hat.
Zwischenfälle und Online-Bewertungen
Im „El Rincón“ gibt es keine offensichtlichen Hinweise auf organisiertes Verbrechen, und die Online-Bewertungen sind überwiegend positiv. Stimmt allerdings eine Beobachtung, die in einer Bewertung aus dem Jahr 2018 geschildert wird, blitzte bei Laisha Oseguera damals der berüchtigte Jähzorn ihres Vaters durch. Sie habe eine Frau mit einem Getränk beworfen, schrieb ein Gast: „Ich weiß nicht warum, aber die alte Dame stürzte und Laisha forderte sie auf, zu gehen, weil sie gestürzt war und sie nicht verklagt werden wollte.“
Die Geschichte von Laisha Oseguera zeigt ein faszinierendes und zugleich beunruhigendes Doppelleben: Während sie in ihrem Café Kaffee serviert und Crêpes zubereitet, sind die Schatten ihrer Vergangenheit und ihrer familiären Verbindungen stets präsent. Die Frage bleibt, ob das Café tatsächlich ein harmloses Geschäft ist oder Teil eines größeren, undurchsichtigen Netzwerks.



