Epstein-Akten enthüllen internationales Netzwerk der Mächtigen
Die vom US-Justizministerium veröffentlichten Dokumente im Fall des verstorbenen Multimillionärs und Sexualstraftäters Jeffrey Epstein bringen zahlreiche prominente Persönlichkeiten aus Politik, Adel und Diplomatie in erhebliche Bedrängnis. Das weltumspannende Netzwerk des verurteilten Pädokriminellen reicht bis in höchste Kreise hinein, wobei nicht alle Genannten direkt mit Epsteins Verbrechen in Verbindung stehen.
Britische Regierungskrise durch Mandelsons Epstein-Kontakte
In Großbritannien lösten die Enthüllungen eine schwere Regierungskrise aus. Der britische Premierminister Keir Starmer sah sich massiv unter Druck, nachdem bekannt wurde, dass er den früheren Botschafter in den USA, Peter Mandelson, ernannt hatte, obwohl er von dessen Kontakten zu Epstein wusste. Mandelson, der im September letzten Jahres wegen des Skandals zurücktreten musste, soll als Wirtschaftsminister während der Finanzkrise sensible Informationen an den Finanzier weitergegeben haben. Die Polizei ermittelt derzeit zu diesen Vorwürfen.
Royals im Sog des Skandals
Der in Ungnade gefallene Ex-Prinz Andrew geriet durch neue Vorwürfe in den Epstein-Akten erneut ins Visier der Ermittler. König Charles III. kündigte an, die Polizei bei möglichen Untersuchungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen. Ähnlich wie bei Mandelson geht es um den Verdacht der Weitergabe vertraulicher Informationen an Epstein. Für den bereits entmachteten Ex-Prinzen könnten strafrechtliche Konsequenzen drohen.
US-Handelsminister in Widersprüchen verstrickt
Auch in den USA zieht der Skandal Kreise. US-Handelsminister Howard Lutnick geriet in Erklärungsnot, nachdem sich seine Aussagen zum Kontaktabbruch mit Epstein als widersprüchlich erwiesen. Während er angab, die Verbindung 2005 beendet zu haben, berichteten Medien über einen geplanten Besuch auf Epsteins Insel im Jahr 2012. Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie warf Lutnick vor dem Senatsausschuss bewusste Falschaussagen vor.
Norwegische Diplomaten und Royals unter Verdacht
In Norwegen erreicht der Epstein-Skandal das diplomatische Establishment und das Königshaus. Die ehemalige Botschafterin Mona Juul verlor ihr Amt und muss sich gemeinsam mit ihrem Mann, dem Top-Diplomaten Terje Rød-Larsen, Ermittlungen wegen schwerer Korruption stellen. Rød-Larsen soll ein persönliches finanzielles Verhältnis zu Epstein unterhalten haben, und beiden Kindern des Paares waren im Testament des US-Amerikaners je fünf Millionen Dollar zugedacht.
Ebenso unter Verdacht steht der ehemalige norwegische Regierungschef Thorbjørn Jagland, der auch als Generalsekretär des Europarates und Chef des Nobelkomitees fungierte. Kronprinzessin Mette-Marit sah sich mit Enthüllungen über ein vertrautes Verhältnis zu Epstein konfrontiert. E-Mail-Korrespondenzen über Jahre hinweg und ein Urlaub 2013 in Epsteins Haus in Palm Beach werfen Fragen über ihre Eignung als zukünftige Königin auf.
Französischer Ex-Minister im Visier der Justiz
Frankreichs ehemaliger Kulturminister Jack Lang und seine Tochter Caroline stehen im Verdacht der Geldwäsche und des schweren Steuerbetrugs im Zusammenhang mit einer von Epstein gegründeten Gesellschaft. Die Finanzstaatsanwaltschaft leitete Vorermittlungen ein, nachdem bekannt wurde, dass Caroline Lang die Hälfte der Anteile an der in einem Steuerparadies ansässigen Firma hielt. Jack Lang trat unter dem Druck der Enthüllungen von seinem Posten als Präsident des Pariser Kulturinstituts „Institut du monde arabe“ zurück.
Die internationalen Auswirkungen der Epstein-Akten zeigen, wie tief das Netzwerk des Sexualstraftäters in die Welt der Reichen und Mächtigen reichte. Während einige der Genannten sich entschuldigten, stehen andere vor strafrechtlichen Konsequenzen und dem Verlust ihrer Ämter und Reputation.



