Sat.1-Doku: Ex-Gangmitglied Mashood Khan über Jugendkriminalität - Vom Messer zum Sozialarbeiter
Ex-Gangmitglied Mashood Khan: Vom Messer zum Sozialarbeiter

Sat.1-Doku: Vom Messer zum Sozialarbeiter - Mashood Khans Weg aus der Jugendgang

In der zweiten Folge der Dokumentationsreihe „RONZHEIMER – Wie geht’s Deutschland“ auf Sat.1 (Dienstag, 20.15 Uhr) recherchiert BILD-Vize Paul Ronzheimer zum alarmierenden Thema Jugendkriminalität. Die aktuellen Zahlen sind erschreckend: Im Jahr 2024 gab es 31.383 Tatverdächtige zwischen 14 und 18 Jahren – ein Anstieg von 33 Prozent seit 2019. Noch dramatischer ist die Entwicklung bei unter 14-Jährigen: Hier stieg die Zahl der Verdächtigen auf 13.775, was einem Zuwachs von 67 Prozent entspricht.

Vom kriminellen Gangmitglied zum anerkannten Sozialarbeiter

Im Hamburger Stadtteil Jenfeld, einem sozialen Brennpunkt, trifft Ronzheimer auf Mashood Khan. Der heute als Sozialarbeiter tätige Mann hat eine bewegte Vergangenheit: Er gehörte einst einer berüchtigten Hamburger Jugendgang an. „Ich weiß noch: Damals, wenn ich jemanden mit einem Messer verletzt habe, bin ich am nächsten Tag durchs Viertel gelaufen und alle haben mich gefeiert“, erzählt Khan dem Journalisten. „Du bist da nur jemand, wenn du hart bist auf der Straße.“

Seine eigene kriminelle Vergangenheit hilft Khan heute, von den Jugendlichen auf der Straße akzeptiert zu werden. Nach dem Tod seines Vaters krempelte er sein Leben um und fand seinen Weg in die soziale Arbeit. Doch er beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung: „Es ist brutaler geworden. Die Jugendlichen sind furchtloser. Die Drogenwelt hat sich verändert – mit Drogen wie Lachgas verändert sich auch die Psyche der Jugendlichen.“

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Drogen und familiäre Hintergründe als Treiber der Kriminalität

Khan betont, dass Drogen beim Thema Jugendkriminalität eine zentrale Rolle spielen – sowohl im Verkauf als auch im Konsum. Besonders Kokain erlebe aktuell einen Boom. Sein Freund, der Rapper C€MO, der bereits mit 13 Jahren Drogen in Hamburg-Jenfeld verkaufte, thematisiert diese Vergangenheit heute in seinen Songs.

Im Gespräch mit Ronzheimer erklärt der Rapper die Perspektive vieler Jugendlicher in Problemvierteln: „Wenn du hier geboren worden, groß geworden wärst, würdest du mich nicht fragen: ‚Wie wird man kriminell?‘ Du würdest mich fragen: ‚Wie kann ich Geld machen? Ich brauche Geld.‘“ Ein ehrlicher Job sei für viele keine Alternative, da familiäre Hintergründe oft den Weg vorgeben: „Viele Eltern sind Drogensüchtige, Kriminelle.“ Es gebe sogar Eltern, die ihre Kinder aktiv darin förderten, kriminell zu werden – ein Teufelskreis, der schwer zu durchbrechen sei.

Soziale Brennpunkte und die Suche nach Lösungen

Die Dokumentation zeigt eindrücklich, wie in sozialen Brennpunkten wie Hamburg-Jenfeld kriminelle Karrieren oft schon in jungen Jahren beginnen. Mashood Khan steht als lebendes Beispiel dafür, dass Veränderung möglich ist, betont aber gleichzeitig die wachsenden Herausforderungen. Die Kombination aus veränderten Drogenlandschaften, familiären Problemen und einem sozialen Umfeld, das Kriminalität teilweise glorifiziert, erschwere präventive Arbeit.

Ronzheimers Recherche verdeutlicht, dass Jugendkriminalität nicht nur ein polizeiliches, sondern vor allem ein gesellschaftliches Problem ist, das strukturelle Lösungen erfordert. Die steigenden Zahlen bei immer jüngeren Tätern machen deutlich, dass dringender Handlungsbedarf besteht.

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