Franziskanerorden in Spanien als Miethai kritisiert
Franziskanerorden als Miethai kritisiert

Der spanische Mieterverband Sindicato de Inquilinos erhebt schwere Vorwürfe gegen den Franziskanerorden. Die Ordensgemeinschaft, die eigentlich für Barmherzigkeit steht, soll geschäftlich gnadenlos agieren. Der Verband bezeichnet die Franziskaner als "Miet-Hai" und wirft ihnen Profitgier und Immobilienspekulation vor. Bereits "40 Opfer" habe diese Praxis gefordert, so die Organisation.

Zwangsräumung eines Rentners

Auslöser der jüngsten Proteste ist die Zwangsräumung eines 67-jährigen Rentners in Madrid. Aktivisten versuchten vergeblich, die Räumung zu verhindern. In der Nacht zum Samstag hielten Unterstützer Mahnwachen ab, am Morgen schritt die Polizei ein und setzte die Räumung durch. Der Mann wurde aus seiner Wohnung geholt und ist nun obdachlos. Der Fall verbreitet sich rasant in sozialen Netzwerken und Medien. Für den Mieterverband ist der Rentner, dessen Miete im vergangenen Jahr deutlich erhöht wurde und die er schließlich nicht mehr bezahlen konnte, das "40. Opfer der Kirche".

Geschäftsmodell mit renovierungsbedürftigen Wohnungen

Nach Angaben der Mietergewerkschaft besitzt der "Dritte Orden des Heiligen Franziskus" im Zentrum Madrids mehr als 100 Wohnungen. Das Geschäftsmodell dahinter: Renovierungsbedürftige Wohnungen werden zunächst günstig vermietet, die Mieter im Gegenzug zur Sanierung verpflichtet. Anschließend werden die Mieten stark angehoben, sodass viele sie nicht mehr zahlen können und ausziehen müssen. Der Orden handle "aus Profitgier wie ein Miet-Hai" und spekuliere auf Kosten armer Menschen, sagte Carolina Vilariño, Sprecherin der Mietervereinigung.

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Orden weist Kritik zurück

Die Ordensgemeinschaft verteidigt ihr Vorgehen. In Stellungnahmen gegenüber spanischen Medien heißt es, der Rentner habe nach dem Verlust seiner Arbeit während der Pandemie über längere Zeit Mietschulden aufgebaut. Er habe zudem nicht ausreichend Bereitschaft gezeigt, diese zu begleichen. Die Räumung sei auch deshalb notwendig gewesen, weil das gesamte Gebäude saniert werden müsse. Berichten zufolge bot der Orden dem Mann einen Tilgungsplan an – der Rentner und die Mieterorganisation bezeichneten das Angebot jedoch als finanziell unrealistisch.

Madrid: Angespannter Wohnungsmarkt

Madrid gilt als einer der angespanntesten Märkte Spaniens. Mieten und Kaufpreise gehören zu den höchsten im Land, erschwinglicher Wohnraum ist rar. Sozial schwache Mieter scheitern häufig an den Garantien und Nachweisen, die bei der Wohnungsvergabe verlangt werden. Zusätzlich verschärfen touristische Kurzzeitvermietungen wie Airbnb und anhaltender Zuzug vom Land die Lage. Die Stadt ist in den vergangenen zehn Jahren jährlich um rund 25.000 Menschen gewachsen, während deutlich zu wenig Neubau erfolgt. Bis Ende April 2026 wurden lediglich rund 1700 Wohnungen fertiggestellt.

Kritik an kirchlicher Beteiligung

Dass im vorliegenden Fall eine kirchliche Organisation involviert ist, verleiht der Debatte eine besondere Schärfe. Nach Angaben von Sindicato de Inquilinas e Inquilinos de Madrid verfügt die franziskanische Ordensgemeinschaft über insgesamt 294 Immobilien, von denen etwa einhundert vermietet sind. Laut Anwältin Bea de Vicente sind viele dieser Wohnungen Spenden von Gläubigen, die dem Orden "für wohltätige Zwecke" überlassen oder vererbt wurden. Stattdessen würden sie nun für die "Spekulationen eines Großvermieters" genutzt.

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