Gewalt gegen Schiedsrichter: Thüringer Fußball sagt alle Männerspiele ab
Gewalt gegen Schiri: Thüringen sagt Spiele ab

Ein schwerer Vorfall erschüttert den Amateurfußball in Thüringen. In der Kreisoberliga wurde ein minderjähriger Linienrichter von einem Spieler angegriffen und geschlagen. Der Vorfall ereignete sich im Bereich Eisenach. Ein Krankenwagen musste den jungen Referee versorgen, das Spiel wurde abgebrochen. Als Konsequenz wurden alle Spiele von Männermannschaften am Wochenende im Bereich Eisenach abgesagt.

Schiedsrichter streiken nach Angriff

Der Grund für die Absagen ist ein Streik der Schiedsrichter. Martin Falk, Chef des Schiedsrichterausschusses des KFA Westthüringen, erklärte gegenüber BILD: „Ein erwachsener Spieler hat einen minderjährigen Linienrichter angegriffen. Wir sind jetzt an einem Punkt, an dem Reden nichts mehr hilft. Es muss etwas geschehen.“ Der Eklat passierte im Spiel zwischen Ruhla und dem FC Eisenach am vergangenen Wochenende.

Rote Karte führte zu Eskalation

Nach 75 Minuten kassierte ein Eisenacher Spieler nach einem Foul die Rote Karte. Ein 29-jähriger Spieler des FC Eisenach beschwerte sich so vehement beim Schiedsrichter, dass er ebenfalls die Ampelkarte sah. Danach kam es zur Rudelbildung, und der Assistent wurde geschlagen. „Der Schiedsrichter hatte keine andere Wahl, als das Spiel abzubrechen“, so Falk. Ein Krankenwagen versorgte den jungen Linienrichter. Glücklicherweise waren seine Verletzungen nicht so schwer, dass er ins Krankenhaus musste.

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Kritik an Vereinspräsident

Besonders verärgert zeigte sich Falk über die Reaktion des Präsidenten des FC Eisenach, Daniel Rudloff. Dieser sagte gegenüber der Thüringischen Landeszeitung: „Ohne diese Rote Karte passiert das alles nicht!“ Falk nannte diese Aussage zynisch und eine Verharmlosung der Tat sowie eine Täter-Opfer-Umkehr.

Vorfälle häufen sich

Es ist nicht der erste Vorfall in der Region. Vor zwei Jahren wurde ein Schiedsrichter von einem Spieler ins Gesicht geschlagen. Seitdem gab es regelmäßige Gespräche mit dem Verband und den Vereinen, Deeskalationsschulungen und Dialogversuche. Vor sechs Wochen kam es bereits zu einem Spielabbruch, weil ein Zuschauer auf einen Schiedsrichter losging. „Das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“, sagte Falk.

Gesellschaftliche Ursachen

Falk sieht die Ursachen in gesellschaftlichen Entwicklungen: „Das, was da passiert, ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft. Auf den Plätzen stehen alle – vom Anwalt und Oberarzt bis zum Harz-4-Empfänger. Die Verrohung, die wir in der Politik merken, in der Kultur, die macht vor dem Fußball nicht Halt. Das Klima ist gereizter, die Menschen unzufriedener. Dazu ist die Hemmschwelle gesunken. Auf dem Platz kanalisiert sich das dann an dem einzigen Menschen, der Entscheidungen trifft: dem Schiedsrichter.“ Den Verantwortlichen bleibe nur, an den Symptomen zu arbeiten.

Konsequenzen für den Täter

Der Schläger muss mit einer mehrjährigen Sperre rechnen. Der Vorfall wird für ihn auch strafrechtliche Folgen haben.

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