Goldschatz-Suche in Plate: Ermittler reißen sogar Bäume aus der Erde
Goldschatz-Suche: Bäume ausgerissen in Plate

Bei der Suche nach dem geraubten Goldschatz von Manching in Plate bei Schwerin greifen die Ermittler zu drastischen Mitteln: Sie reißen Bäume aus der Erde, um mögliche Verstecke zu finden. Der Einsatz wird nun verlängert.

Baum auf der Wiese: Symbol der verzweifelten Suche

Ein Baum liegt quer auf der Wiese, die Wurzeln ragen wie ein aufgerissenes Geheimnis in den grauen Himmel. Daneben steht ein grüner Unimog – schwer, kantig, bereit für grobe Arbeit. Was nach Forsteinsatz aussieht, ist in Wahrheit Teil einer der aufwendigsten Suchaktionen nach Diebesgut der vergangenen Jahre.

In Plate bei Schwerin wird weiter nach dem Goldschatz von Manching gesucht: 483 keltische Münzen und ein Goldklumpen, insgesamt rund 3,7 Kilogramm schwer und über 2000 Jahre alt. Der Schatz wurde im November 2022 aus einem Museum in Bayern gestohlen. Ein Teil wurde später sichergestellt, eingeschmolzen. Doch 411 Münzen, etwa drei Kilogramm Gold, sind bis heute verschwunden.

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Bislang kein Erfolg: „Nichts Verwertbares“

„Bislang haben wir nichts Verwertbares finden können, weder Geld noch Gold. Aber wir geben so schnell nicht auf“, betont Fabian Puchelt, Sprecher des Landeskriminalamtes Bayern, am Dienstagnachmittag. Auch am zweiten Einsatztag bleibt die Bilanz ernüchternd. Dennoch wächst der Aufwand weiter, personell wie technisch.

Neu im Einsatz sind zusätzliche Suchhunde aus Mecklenburg-Vorpommern, die gezielt nach Bargeld schnüffeln. „Das Team der Spürhunde wurde noch einmal aufgefrischt, einige sind aber bereits seit gestern im Einsatz“, erklärt Puchelt. Während die ungarischen Goldspürhunde erneut ihre Runden über das Gelände drehen, durchkämmen die Vierbeiner aus MV Haus und Grundstück nach versteckten Geldsummen.

Hightech-Röntgen hilft beim Durchleuchten großer Kisten

Unterstützung kommt auch aus der technischen Abteilung: Ein unscheinbarer Transporter des Hauptzollamtes Stralsund hat ein großflächiges Röntgengerät gebracht. „Das muss man sich vorstellen, wie ein Röntgengerät am Flughafen, das Koffer durchleuchtet. Die Kollegen können damit Gegenstände, die so groß sind wie beispielsweise Umzugskartons, durchleuchten“, erklärt LKA-Sprecher Puchelt. Genau das geschieht nun: Kisten, Möbel, mögliche Verstecke werden in Sekunden überprüft.

Parallel dazu ist der Unimog inzwischen selbst ins Zentrum der Suche gerückt. Das schwere Spezialfahrzeug wurde auf das Grundstück gefahren, kann heben, schieben und graben. Was genau bereits bewegt wurde, dazu hält sich das LKA bedeckt. Klar ist nur: Selbst vor gewachsenen Strukturen machen die Ermittler nicht halt. Ein Baum wurde bereits aus der Erde gezogen, in der Hoffnung, darunter auf ein Versteck zu stoßen. Gefunden wurde nichts, außer Erde und Wurzeln.

Gelbe Fähnchen markieren Beweisstücke

Auf dem weitläufigen Gelände – rund 6000 Quadratmeter – arbeiten sich die Einsatzkräfte weiter Stück für Stück vor. Gelegentlich werden kleine gelbe Fähnchen in den Boden gesteckt mit der Aufschrift „Evidence – Do not touch“, also „Beweis – nicht anfassen“. Wie viele und welche Beweise wofür? Auch dazu gibt es keine Angaben vom LKA.

Zwischen Containern, Gartenflächen und Hausdach klettert ein Experte aus den USA auf erhöhte Positionen, prüft mögliche Verstecke, während unten die nächste Suchrunde beginnt. Die Szenerie wirkt wie eine Schatzsuche für Erwachsene, nur dass der wichtigste Teil weiterhin fehlt: die Schatzkarte oder wenigstens ein echter Hinweis.

Suche wird verlängert: Auch am Mittwoch geht es weiter

Ursprünglich war der Einsatz auf wenige Tage angelegt. Am Dienstagabend haben die Experten dann aber entschieden, dass es weitergehen soll. „Wir werden auf jeden Fall auch am Mittwoch noch die Suche fortführen“, so Fabian Puchelt. Um wie viele Tage sie verlängert wird, dazu wollte er sich noch nicht äußern: „Vielleicht werden wir heute noch fündig oder morgen.“

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An der Suche beteiligt ist ein außergewöhnlich breites Aufgebot: Neben den Kunstfahndern des bayerischen Landeskriminalamtes arbeiten Ermittler aus MV, die Tatortgruppe des Bundeskriminalamtes, Zollbeamte aus Stralsund sowie eine internationale „Heritage Crime Task Force“ unter Leitung der OSZE zusammen. Unterstützt werden sie von Forensik-Experten aus mehreren Ländern. „Das ist schon ein Einsatz, der in dieser Form selbst für erfahrene Ermittler selten ist und unterstreicht noch einmal die Bedeutung des Goldschatzes von Manching“, sagt Fabian Puchelt.

Nicht nur für die Beamten vor Ort und das Land Bayern wäre der Fund des Goldschatzes von enormer Bedeutung. Auch im Verfahren gegen den mutmaßlichen Haupttäter, einen 49-Jährigen aus Plate, würde es die Sachlage noch einmal verdeutlichen. Er wurde vom Landgericht Ingolstadt zu elf Jahren Haft verurteilt, doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Sein Verteidiger hat Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt, unter anderem wegen möglicher Verfahrensfehler. Der Mann sitzt derzeit in Haft.

Die aktuelle Durchsuchung läuft in Zusammenhang mit einem neuen Ermittlungsverfahren wegen Geldwäsche, auch gegen die Lebensgefährtin des Hauptverdächtigen. Sie soll von den Taten gewusst und beim Umgang mit mutmaßlich illegalem Geld geholfen haben. Am Tag zwei der Haus- und Grundstücksdurchsuchung ist sie nicht mehr anwesend.