Kurz vor der Ankunft des Virus-Kreuzers wird der Hafen von Teneriffa zur Hochsicherheitszone. BILD-Reporter sind vor Ort und berichten über die außergewöhnlichen Sicherheitsmaßnahmen.
Vorbereitungen im Hafen von Granadilla de Abona
Ein langer Asphaltweg führt aus dem beschaulichen Urlaubsort El Médano hinaus, vorbei an staubigen Industrieflächen und Lagerhallen, hinein in den Hafen von Granadilla de Abona auf Teneriffa. Dort, wo sonst Container verladen und verschifft werden, laufen jetzt die Vorbereitungen für eine Rettungsaktion, wie sie die Kanaren wohl noch nie erlebt haben. Ein rostiger Metallzaun trennt den Hafen von der Außenwelt. Warnschilder weisen darauf hin, dass Unbefugte das Gelände nicht betreten dürfen. Vor der Schranke stehen bewaffnete Polizisten, kontrollieren jedes Fahrzeug und weisen Schaulustige konsequent ab. Immer wieder versuchen Menschen, einen Blick auf das Hafengelände zu erhaschen – auf den Ort, an dem in der Nacht zu Sonntag das Seuchenschiff Hondius erwartet wird.
Streng abgeschirmter Bereich für Journalisten
Nur vereinzelt hebt sich die Schranke für wenige Sekunden. Einige Autos dürfen passieren. Es sind Journalisten, die sich akkreditiert haben, um die Vorbereitungen im Inneren des Sperrgebiets begleiten zu können. Auch die BILD-Reporter erhalten Zugang zu dem streng abgeschirmten Bereich. Mit dem Auto geht es vorbei an riesigen Rotorblättern von Windrädern, die am Kai lagern und darauf warten, verschifft zu werden. In der Ferne glitzert ein Metallberg auf einem Schrottplatz in der Sonne. Eigentlich ist dieser Hafen für Schwerindustrie, Fracht und Logistik gebaut worden – nicht für eine internationale Evakuierungsmission unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen.
Zelte und Absperrungen für den Großeinsatz
Doch genau darauf läuft hier inzwischen alles hinaus: Ganz am Ende des weitläufigen Hafengeländes befindet sich der Bereich, der in der Nacht zum Zentrum der gesamten Rettungsaktion werden soll. Überall stehen orangefarbene Absperrbaken. Der Bereich entlang der Kaikante ist mit blau-weißem Flatterband abgesperrt. Polizeifahrzeuge fahren im Minutentakt über das Gelände, Beamte sprechen sich über Funkgeräte ab. Hafenarbeiter bauen unterdessen weiße Einsatzzelte auf und verankern sie mit schweren Gewichten im Boden, damit der starke Wind sie nicht erfasst. Auch die Polizei hat Bereitstellungsräume auf dem Gelände, um für die sichere Abwicklung zu sorgen. Im Industriehafen entsteht eine provisorische Infrastruktur für einen medizinischen Großeinsatz. Hier sollen in wenigen Stunden die Passagiere der Hondius ankommen – Menschen, die seit Tagen auf einem Schiff mit Hantavirus-Ausbruch festsitzen.
Evakuierungsplan steht
Nach BILD-Informationen sollen die Passagiere in kleinen Gruppen von jeweils fünf Personen mit Booten vom Schiff an Land gebracht werden. Erst wenn ihre Flugzeuge in die Heimatländer startbereit sind, sollen sie das Schiff verlassen dürfen. Direkt nach der Ankunft sollen Busse bereitstehen, die die Menschen ohne Kontakt zur Bevölkerung unter strengen Sicherheitsmaßnahmen direkt zum Flughafen bringen. Noch ist die Hondius unterwegs Richtung Teneriffa, doch schon in den frühen Morgenstunden soll sie eintreffen.



