Höllenfahrt der „Hondius“: Hantavirus-Schiff erreicht Teneriffa
Hantavirus-Schiff erreicht Teneriffa

Granadilla de Abona (Teneriffa) – Die Odyssee des Seuchenschiffs „MV Hondius“ neigt sich dem Ende zu. In der Nacht zu Sonntag soll das Schiff am Puerto de Granadilla im Süden Teneriffas festmachen. Noch am selben Morgen sollen die verbliebenen Passagiere evakuiert werden. Bereits Stunden vor der Ankunft herrschte am Hafen hektische Betriebsamkeit: Arbeiter errichteten Zäune und Zelte, um ein Hantavirus-Sperrgebiet einzurichten. Dunkle Wolken am Horizont deuteten auf das nahende Schiff hin.

Ein Luxusliner auf Abenteuerkurs

Die 107,6 Meter lange „Hondius“ bietet Platz für bis zu 170 Gäste plus Crew. Die Kabinenpreise beginnen bei 15.062 Euro für eine 45-tägige Reise – ein Preis, der eher an eine Luxuskreuzfahrt erinnert. Tatsächlich handelt es sich jedoch um eine abenteuerliche Expeditionsreise. Der Dresscode schreibt festes Schuhwerk mit rutschfesten Sohlen vor, und die Passagiere müssen täglich mehrere Stunden zu Fuß gehen können, um Wale, fliegende Fische und seltene Vögel zu beobachten.

Der Ausbruch des Hantavirus

Derzeit befinden sich noch etwa 150 Passagiere aus 23 Ländern an Bord, darunter fünf Deutsche und ein deutsches Besatzungsmitglied. Die Lage ist unübersichtlich, und die Angaben widersprechen sich. Laut dem Veranstalter „Oceanwide Expeditions“ legte das Schiff am 1. April mit 114 Gästen und 61 Besatzungsmitgliedern von Ushuaia (Argentinien) in Richtung St. Helena ab.

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Erste Todesfälle auf See

Ein 70-jähriger Niederländer klagte an Bord über Fieber und Kopfschmerzen. Am 11. April erlitt er plötzlich Atemnot und starb. Seine Frau hatte Ende März an einer Vogeltour in Ushuaia teilgenommen, wo er sich möglicherweise infizierte. In Tristan da Cunha stiegen am 15. April sechs Passagiere zu. Beim nächsten Stopp in St. Helena wurde die Leiche des Niederländers von Bord gebracht. 29 Passagiere verließen das Schiff, darunter eine Deutsche und die 69-jährige Witwe des Verstorbenen – und mit ihr das Virus.

Die Witwe flog mit einer Airlink-Maschine nach Johannesburg, wo sie aufgrund schwerer Symptome nicht weiterreisen durfte. Kurz darauf starb auch sie. Wenige Tage später erkrankte ein britischer Passagier (56) schwer und wurde mit Lungenentzündung auf eine Intensivstation in Johannesburg eingeliefert. Eine 78-jährige Deutsche aus Passau starb am 2. Mai an Bord. Laborergebnisse bestätigten später, dass alle Verstorbenen mit dem Hantavirus infiziert waren.

Internationale Reaktionen und Evakuierung

Der Inselstaat Kap Verde verweigerte dem Schiff das Anlegen. Zwei Besatzungsmitglieder, darunter der Schiffsarzt, zeigten Symptome. Spezielle Isolationsflieger brachten Verdachtsfälle nach Amsterdam und Zürich. Zwei niederländische Infektionsspezialisten wurden auf die „Hondius“ geflogen. Ein US-Reiseblogger an Bord berichtete: „Es geht uns gut, wir sind guter Dinge. Es wurden Sicherheitsmaßnahmen getroffen, darunter Abstandhalten und Maskentragen. Man darf die Außendecks betreten, aber drinnen darf man sich nicht versammeln.“

Ablauf der Evakuierung

Die Evakuierung ist für Sonntagmorgen geplant. Die Passagiere werden in Fünfergruppen mit Beibooten zum Hafen gebracht, von wo Kleinbusse sie direkt zum Flughafen fahren. Die USA schickt eine Boeing 747, auch Großbritannien und Spanien organisieren Rückholflüge. Deutschland bereitet die Rückführung seiner Staatsbürger vor, wie das Auswärtige Amt mitteilte: „Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe, das Robert-Koch-Institut, das Bundesgesundheitsministerium und das Auswärtige Amt arbeiten hier sehr eng zusammen.“

WHO: Risiko gering

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft das Risiko als gering ein. Obwohl eine Übertragung von Mensch zu Mensch möglich ist, wird keine Pandemie befürchtet. WHO-Chef Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus reiste dennoch nach Teneriffa, um die Lage zu überwachen.

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