Hessen gründet erste Spezial-Einheit gegen Deepfake-Pornos nach Fall Fernandes
Hessen gründet erste Spezial-Einheit gegen Deepfake-Pornos

Hessen reagiert als erstes Bundesland mit Spezial-Einheit gegen Deepfake-Pornos

Immer mehr Frauen werden durch mit künstlicher Intelligenz manipulierte pornografische Inhalte im Internet erniedrigt und bloßgestellt. Als erstes Bundesland in Deutschland hat nun Hessen eine spezialisierte Ermittler-Einheit gegen sogenannte Deepfake-Pornos eingerichtet. Die Maßnahmen wurden am Donnerstag von Innenminister Roman Poseck (56, CDU) gemeinsam mit dem Landeskriminalamt in Wiesbaden vorgestellt.

Fall Fernandes beschleunigt hessische Pläne

Der aktuelle Fall um Schauspielerin Collien Fernandes (44) hat die hessischen Pläne deutlich beschleunigt. In der vergangenen Woche hatte Fernandes ihrem Ex-Mann Christian Ulmen (50) auf dem Titel des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ „virtuelle Vergewaltigung“ vorgeworfen und Anzeige erstattet. Es geht dabei um mutmaßlich von Ulmen erstellte Fake-Profile in ihrem Namen sowie um die Verbreitung pornografischer Aufnahmen über diese Accounts. Eine gerichtliche Überprüfung steht noch aus, es gilt die Unschuldsvermutung.

Neue Einheit „Digitale Gewalt“ bei ZIT Frankfurt

Die neue Ermittlungseinheit mit dem Namen „Digitale Gewalt“ wird bei der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt angesiedelt. Innenminister Poseck betonte: „Die ZIT verfügt über jahrelange Erfahrung und Wissen. Die neue Einheit soll weiteres Expertenwissen aufbauen, die Staatsanwaltschaften auf den neuen Straftatbestand vorbereiten und Verfahren führen.“

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Ein zentrales Problem sei bisher gewesen, dass digitale sexualisierte Gewalt in den offiziellen Kriminalstatistiken kaum auftauche. „Wir werden ein Lagebild zu diesem Thema erstellen, denn es gibt da noch viele weiße Flecken“, so Poseck weiter. Zudem werde die Polizei ein spezielles Analyse-Tool erhalten, um Deepfakes schneller im Netz identifizieren zu können. Dies ermögliche Ermittlungen von Amts wegen, ohne dass zunächst eine Anzeige durch das Opfer erforderlich sei.

Täter häufig aus dem privaten Umfeld

Benjamin Krause, Leiter der hessischen ZIT, wies darauf hin, dass die Täter solcher Deepfake-Delikte häufig aus dem privaten Umfeld der Betroffenen stammten. In den manipulierten pornografischen Inhalten werde oft der Eindruck erweckt, „als würden diese Frauen gegen Geld für sexualisierte Dienstleistungen zur Verfügung stehen“. Besonders perfide werde es, wenn zusätzlich Adressen und Mobilnummern der betroffenen Frauen veröffentlicht würden.

16.000 Polizisten erhalten Handlungsanweisung

Innenminister Poseck machte deutlich: „Es ist falsch, dass sich Opfer zurückziehen. Sie leiden dann umso mehr. Der Staat muss an der Seite der Opfer stehen.“ Bisher seien Opfer digitaler Gewalt in Deutschland oft nicht ernst genommen und wieder nach Hause geschickt worden. Um dies zu ändern, sollen nun 16.000 Polizisten in Hessen eine entsprechende Handlungsanweisung erhalten. Zudem soll auf Instagram die Influencerin und Kommissarsanwärterin Sarah über die Gefahren von Deepfakes aufklären.

Mit diesen umfassenden Maßnahmen positioniert sich Hessen als Vorreiter im Kampf gegen eine Form digitaler Kriminalität, die durch den rasanten Fortschritt der künstlichen Intelligenz immer einfacher und verbreiteter wird. Die neue Spezial-Einheit soll nicht nur repressiv tätig werden, sondern auch präventiv durch Aufklärung und verbesserten Opferschutz wirken.

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