Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist am Dienstag im Alter von 101 Jahren in Leer gestorben. Das gab die Stadt bekannt. Weinberg hatte erst im März mit Hunderten Gästen seinen 101. Geburtstag gefeiert, verbunden mit der Premiere des Dokumentarfilms über sein Leben „Es ist immer in meinem Kopf“. Zunächst berichtete die „Ostfriesenzeitung“ über seinen Tod.
Ein Leben im Zeichen der Erinnerung
„Seit seiner Rückkehr aus New York in seine ostfriesische Heimat vor 14 Jahren hat Albrecht unermüdlich und mit einer unvorstellbaren Energie von seinen schrecklichen Erlebnissen während des Nationalsozialismus berichtet und immer wieder vor dem Vergessen gewarnt“, sagte Leers Bürgermeister Claus-Peter Horst. Für die Stadt Leer sei der Tod Weinbergs ein großer Verlust. Als Kind wurde Weinberg mit seiner Familie auf Weisung der Nazis durch Leer zur Viehhalle getrieben – angeordnet in dem Rathaus, in dem er Jahrzehnte später die Ehrenbürgerwürde erhielt.
Überleben in drei Konzentrationslagern
Weinberg überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora und Bergen-Belsen sowie mehrere Todesmärsche. Seine jüdische Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. 2012 kehrte er mit seiner Schwester aus den USA zurück und berichtete seither in Schulen über die Gräuel der NS-Zeit. Bis zuletzt trat er gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus ein.
Bundesverdienstkreuz aus Protest zurückgegeben
Weinberg zeigte sich besorgt über den erstarkenden Rechtsextremismus in Deutschland. Nachdem die Union mit Stimmen der AfD einen Bundestagsantrag zur Migrationspolitik durchgebracht hatte, gab er aus Protest sein Bundesverdienstkreuz an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zurück. Dieser hatte Weinberg zum 100. Geburtstag gratuliert und sein Engagement gewürdigt: „Ihre Geschichte ist eine Mahnung für uns nachfolgende Generationen.“
Würdigung aus Politik und Diplomatie
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betonte: „Weinberg erinnert uns daran, dass die Würde des Menschen, Respekt und gegenseitige Verantwortung das Fundament unseres Zusammenlebens bilden.“ Israels Botschafter Ron Prosor würdigte Weinberg auf X als „Mensch voller Würde, Wärme, Humor und unerschütterlicher Kraft“. Weinbergs Tod hinterlässt eine Lücke im Kampf gegen das Vergessen.



