Journalist muss sich vor Gericht verantworten: Filmte sterbende Unfallopfer
Im Mai 2025 verursachte der Stuttgarter Millionär René K. (43) einen schweren Unfall, der eine Frau tötete und sieben Passanten verletzte. Während der Prozess gegen den Unfallverursacher noch nicht einmal terminiert ist, steht bereits ein Journalist vor Gericht. Simon A. (33), ein erfahrener Reporter, soll den Rettungseinsatz gefilmt haben, bei dem das Unfallopfer Verena M. († 46) zu sehen war.
Staatsanwaltschaft fordert hohe Geldstrafe
Staatsanwältin Claudia Krauth (51) wirft dem Angeklagten die Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen vor. Ursprünglich war ein Strafbefehl über 5600 Euro (70 Tagessätze) verhängt worden, gegen den der Fotograf Einspruch einlegte. Im Prozess vor dem Amtsgericht Stuttgart erhöhte die Staatsanwaltschaft ihre Forderung sogar auf 8400 Euro (120 Tagessätze).
Der Verteidiger Marco van Donzel (37) argumentierte, sein Mandant habe lediglich der Öffentlichkeit zeigen wollen, „was hier Schlimmes passiert ist“. Die Filmaufnahmen seien ausschließlich an andere Medienhäuser gegangen, die Öffentlichkeit habe keinen Zugriff auf das Rohmaterial gehabt. „Es ist die Aufgabe der veröffentlichenden Medien, die Persönlichkeitsrechte des Unfallopfers zu wahren“, betonte van Donzel.
Gericht verhängt Verwarnung und Schmerzensgeld
Das Gericht blieb weit unter der Forderung der Staatsanwaltschaft und verhängte eine Verwarnung sowie 1000 Euro Schmerzensgeld, das an den Witwer des Opfers zu zahlen ist. Dennoch sah das Gericht den Pressefotografen als schuldig an, da er bewusst riskiert habe, dass bei dem hektischen Rettungseinsatz auch das Unfallopfer gefilmt werde.
Die Staatsanwaltschaft war nur aktiv geworden, weil das Portal „Nius“ das Opfer unverpixelt gezeigt haben soll. Gegen das Portal laufen noch Ermittlungen. Simon A. will gegen das Urteil in Berufung gehen, auch die Staatsanwaltschaft behält sich dies vor.
Unfallverursacher wartet noch auf Prozess
Während der Journalist bereits vor Gericht stand, gibt es für den Unfallverursacher René K. noch nicht einmal einen Prozesstermin. Der Millionär war mit seinem Mercedes-Geländewagen von der Straße abgekommen und hatte an einer Straßenbahn-Haltestelle die tödliche Kollision verursacht. Die Diskrepanz in der Verfahrensgeschwindigkeit wirft Fragen zur Prioritätensetzung der Justiz auf.



