Die mutmaßliche RAF-Terroristin Daniela Klette hat vor dem Landgericht Verden ein selbst verfasstes Plädoyer vorgetragen. Die Staatsanwaltschaft wirft der 67-Jährigen vor, zwischen 1999 und 2016 an acht Raubüberfällen beteiligt gewesen zu sein, bei denen mehr als zwei Millionen Euro erbeutet wurden. Sie soll maskiert und teils schwer bewaffnet Geldtransporter und Supermärkte überfallen haben, um nach der offiziellen Selbstauflösung der Roten Armee Fraktion (RAF) ihr Leben im Untergrund zu finanzieren. Die Anklage fordert eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren.
Prozessauftakt mit Sicherheitsvorkehrungen
Der Prozess begann im März 2025 und findet unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Die Verhandlung wird in einer zur Hochsicherheitszone umgebauten Reithalle am Stadtrand von Verden abgehalten. Vermummte Einsatzkräfte mit Maschinenpistolen sichern das Gelände, Polizeieskorten begleiten die Angeklagte. Klette sitzt seit mehr als zwei Jahren in Untersuchungshaft.
Unterstützung aus der autonomen Szene
Als Klette den Saal betritt, erhebt sich die linke Hälfte des Zuschauerraums fast geschlossen und applaudiert. Viele der Anwesenden gehören vermutlich der autonomen Szene an. Sie feiern die ehemalige RAF-Terroristin als politische Gefangene. Klette winkt mit erhobenen Armen, lächelt und zeigt den Daumen nach oben. Ihre Anhänger sehen in ihr eine Frau, die jahrzehntelang im Untergrund lebte und ihren Überzeugungen treu blieb.
Plädoyer aus der Zelle
Klette hat sich intensiv auf den Prozess vorbereitet. In ihrer Zelle verfasste sie ein 30-seitiges handschriftliches Plädoyer, das sie selbst vorträgt. Darin betont sie ihre politische Motivation und bestreitet die Vorwürfe. Die Staatsanwaltschaft sieht sie jedoch als überführt an. Die Ermittler hatten in einem ausgebrannten Fluchtfahrzeug Spuren gesichert, die auf Klette und ihre mutmaßlichen Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg hindeuten. Beide Männer sind weiterhin flüchtig.
Reaktionen im Gerichtssaal
Während der Verhandlung kommt es zu Spannungen. Als das Gericht den Saal betritt, bleiben einige Unterstützer demonstrativ sitzen, obwohl ein ungeschriebenes Gesetz vorsieht, sich zu erheben. Sie müssen von den Richtern extra aufgefordert werden. Klette selbst zeigt sich sichtlich erfreut über die Solidarität hinter der gepanzerten Glasscheibe.
Der Prozess könnte bald zu Ende gehen. Ein Urteil wird in den kommenden Tagen erwartet. Sollte Klette verurteilt werden, droht ihr eine lange Haftstrafe. Ihre Unterstützer kündigen bereits weitere Proteste an.



