Schlüsselfigur des internationalen Drogenhandels nach spektakulärer Polizeiaktion gefasst
In einer großangelegten Operation haben Hunderte bolivianische Polizisten mit Unterstützung der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA den international gesuchten Drogenhändler Sebastián Marset festgenommen. Der Zugriff erfolgte am Freitag in einem Nobelviertel von Santa Cruz, ohne dass es zu Verletzungen oder Todesfällen kam, wie Boliviens Innenminister Marco Antonio Oviedo mitteilte.
Vom Kleindealer zum internationalen Kokain-Boss
Der 34-jährige Marset, der in Uruguay geboren wurde, gilt als einer der einflussreichsten Kokainhändler und Geldwäscher Lateinamerikas. Seine kriminelle Karriere begann als Kleindealer in Montevideo, bevor er in den Drogenschmuggel einstieg. Nach einer Verhaftung im Jahr 2013 verbrachte er bis 2018 wegen Marihuana-Handels Zeit im Gefängnis.
Kurz nach seiner Haftentlassung etablierte er sich zunächst in Bolivien und später in Paraguay, wo er zu einer zentralen Figur im Kokainhandel zwischen Lateinamerika und Europa aufstieg. Ein Netzwerk einflussreicher Kontakte in Südamerika, Europa und Dubai hatte jahrelang seine Festnahme verhindert.
Zwei Millionen Dollar Kopfgeld und internationale Fahndung
Nachdem Marset nach einer großangelegten Drogenrazzia in Paraguay untertauchte, setzten die US-Behörden ein Kopfgeld in Höhe von bis zu zwei Millionen Dollar (1,75 Millionen Euro) auf ihn aus. Die Ermittler vermuteten ihn zeitweise in Dubai oder Europa, während er parallel ein internationales kriminelles Netzwerk aufbaute.
Seine Geldwäscheaktivitäten umfassten Fußballvereine, Kryptowährungen, Luxusautohäuser und zahlreiche Tarnfirmen. Bei einer weiteren Razzia in Bolivien im Jahr 2023 entkam er nur knapp, doch seine Organisation wurde durch spätere Ermittlungen in Paraguay erheblich geschwächt.
Fußball-Idol David Beckham als Vorbild
Besonders kurios ist Marsets Verehrung für den früheren englischen Fußballstar David Beckham. Schon als Jugendlicher eiferte er seinem Idol nach und inszenierte sich ähnlich. Zeitweise spielte er bei verschiedenen südamerikanischen Vereinen, darunter Deportivo Capiatá in Paraguay, wo er 2021 in einem silbernen Lamborghini vorfuhr und das Trikot mit der Nummer 10 trug – eine Hommage an Beckhams Zeit bei Manchester United.
In Wirklichkeit war Marset jedoch nie ein besonders guter Spieler, sondern eher durchschnittlich. Seinen Platz im Team hatte er hauptsächlich durch Geld und Einfluss erhalten, wie Ermittler berichten.
Netzwerk zerschlagen und Auslieferung geplant
Nach seiner Festnahme wurde Marset in Richtung USA ausgeflogen, begleitet durch DEA-Beamte. Dort droht ihm eine Anklage wegen Geldwäsche. Gleichzeitig kündigten paraguayische Behörden an, seine Auslieferung zu beantragen. Bei der Operation in Santa Cruz wurden neben Marset vier weitere Personen festgenommen.
Die Ermittler konnten durch die Zerschlagung von Tarnfirmen und die Festnahme von Schlüsselfiguren das kriminelle Netzwerk des Kokain-Königs erheblich schwächen. Marset hatte groß angelegte Schmuggelgeschäfte koordiniert und Kokainproduzenten in Bolivien mit der Mafia in Europa verbunden.



