Landesjägertag in Großschirma: Frauenanteil steigt, Wolf bleibt kontrovers
Im sächsischen Großschirma fand am Samstag der 37. Landesjägertag statt, bei dem zwei zentrale Entwicklungen im Mittelpunkt standen: der wachsende Anteil von Frauen in der Jägerschaft und die anhaltende Debatte um den Umgang mit dem Wolf. Die Veranstaltung zeigte deutlich, wie sich die Jagd in Sachsen wandelt und vor neuen Herausforderungen steht.
Immer mehr Frauen greifen zur Flinte
Eine bemerkenswerte Entwicklung prägt die sächsische Jägerschaft: Immer mehr Frauen entscheiden sich für die Jagd. Aktuell besitzen etwa 14.500 Menschen in Sachsen einen gültigen Jagdschein, wovon 18 Prozent Frauen sind. Diese Zahl stellt einen deutlichen Anstieg dar – im Jahr 2024 lag der Frauenanteil noch bei elf Prozent. Der Landesjagdverband Sachsen präsentierte diese Zahlen während des Landesjägertags und unterstrich damit den sich verändernden Charakter der Jägerschaft.
Jagd als unverzichtbare Aufgabe
Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch betonte in seiner Ansprache die Bedeutung der Jagd für die sächsischen Wälder. „Die Jagd ist weit mehr als ein Hobby“, erklärte der CDU-Politiker. „Unsere Jägerinnen und Jäger sind kompetente Partner des Waldes und der Waldbesitzer.“ Ihr ehrenamtliches Engagement sei unerlässlich für die Pflege und Hege der Wildbestände auf Feldern und in Wäldern.
Für den dringend notwendigen Waldumbau sei eine Balance zwischen Wildbestand und Waldverjüngung entscheidend. „Die Wiederbewaldung der Schadflächen kann die Jagd positiv unterstützen“, so der Minister weiter. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Jagdverband, Jagdbezirken und Sachsenforst bilde eine wichtige Säule für die Entwicklung des Wildes.
Wolf bleibt zentrales Streitthema
Ein weiterer Schwerpunkt des Landesjägertags war der Umgang mit dem Wolf. Anfang März hatte der Bundestag mit den Stimmen der schwarz-roten Koalition und der AfD beschlossen, den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und den Abschuss sogenannter Problemwölfe zu erleichtern. Diese Neuregelung ermöglicht es, Wölfe einfacher zu töten, wenn sie beispielsweise Zäune überwunden und Schafe gerissen haben. Allerdings muss der Bundesrat noch zustimmen, bevor die Regelung in Kraft treten kann.
Wolfsbestand und Schadensfälle
Die Diskussion um den Wolf ist vor dem Hintergrund wachsender Populationen besonders relevant. Bundesweit wurden zuletzt mehr als 1.600 Wölfe gezählt, mit Schwerpunkten in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen. Nach Angaben des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes wurden im vergangenen Jahr 210 Schadensfälle gemeldet, bei denen 527 Tiere betroffen waren und 416 getötet wurden.
Minister fordert ausgewogene Lösung
Umweltminister von Breitenbuch erläuterte die sächsische Position: „Der Wolf ist inzwischen vielerorts ein normaler Bestandteil der Tierwelt“. Daher sei es richtig, wenn der Bestand künftig wie andere Wildarten über das Jagdrecht reguliert werden könne. Sachsen gehöre zu den wolfreichsten Bundesländern, und mit der Aufnahme des Wolfs ins Bundesjagdrecht könne ein Ausgleich zwischen Artenschutz und Tierhaltung hergestellt werden.
„Für uns ist entscheidend, dass Wölfe schnell, rechtssicher und möglichst unkompliziert entnommen werden können“, betonte der Minister. „Der Wolfsbestand muss so reguliert werden, dass die Schäden langfristig deutlich zurückgehen.“ Da es sich um eine nationale Aufgabe handele, setze sich Sachsen dafür ein, dass der Bund notwendige einheitliche Standards und Rahmenbedingungen für das künftige Wolfsmanagement in ganz Deutschland vorgibt.
Zukunft der Jagd in Sachsen
Der Landesjägertag in Großschirma zeigte deutlich, dass die sächsische Jägerschaft im Wandel begriffen ist. Während der wachsende Frauenanteil für eine Diversifizierung der traditionell männlich geprägten Jagd steht, fordert die Rückkehr des Wolfs neue Herangehensweisen und Regelungen. Beide Entwicklungen werden die Zukunft der Jagd in Sachsen nachhaltig prägen und erfordern kontinuierlichen Dialog zwischen Jägern, Politik und Naturschutz.



