Das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ ist am Sonntagmorgen im Hafen Puerto de Granadilla auf Teneriffa eingelaufen. Mehr als 140 Passagiere und Besatzungsmitglieder waren wegen eines Hantavirus-Ausbruchs tagelang auf dem Schiff gefangen. Nun hat die Evakuierung begonnen. Die Passagiere werden von den Kanaren in ihre Heimatländer geflogen. Das Schiff selbst soll zur Desinfektion nach Rotterdam fahren. An Bord bleiben nur 30 Crewmitglieder – und die Leiche einer 78-jährigen Deutschen.
Wie wird auf Schiffen mit Todesfällen umgegangen?
Die Frau war auf der Krankenstation an den Folgen des Hantavirus gestorben. Doch wie läuft das Prozedere bei einem Todesfall auf See ab? Ein ehemaliger AIDA-Mitarbeiter erklärt: „Wenn jemand an Bord stirbt, wird der Leichnam in hygienische Leichensäcke gelegt und in eine Kühlkammer für menschliche Leichname gebracht. Diese befindet sich aus logistischen Gründen meist ganz unten im Schiff, zwischen Müllverbrennungsanlage und Maschinenraum. Auf AIDA-Schiffen gibt es meist drei solcher Kammern.“ Die Leichensäcke werden dann im nächsten Hafen von Bord gegeben, sofern dieser die nötige Infrastruktur für Rückführung oder Bestattung hat. „Bei einer Seuche können Leichname oft nicht abgegeben werden. Dann müssen sie in den Flaggenstaat gebracht werden – also das Land, unter dessen Flagge das Schiff fährt. Bei AIDA ist das Genua in Italien, TUI Cruises fährt unter maltesischer Flagge“, so der Insider.
Prozedere auch auf Expeditionsschiffen gleich
Auf Expeditionskreuzfahrtschiffen wie der „MV Hondius“ gilt das gleiche Vorgehen. Aufgrund der geringeren Größe gibt es meist nur einen Kühlraum. Die Übergabe an lokale Behörden oder Bestatter erfolgt auch hier im nächstgelegenen geeigneten Hafen. Warum die verstorbene Deutsche auf Teneriffa nicht von Bord gebracht wurde und bis Rotterdam an Bord bleibt, ist unklar.
Rechtliche Aspekte und Dokumentation
Der Tod an Bord wird vom Schiffsarzt festgestellt, der auch den Totenschein ausstellt. Im Hafen wird die Leiche an offizielle Stellen oder Bestattungsunternehmen übergeben. Grundsätzlich gilt das Recht des Landes, in dessen Gewässern sich das Schiff zum Todeszeitpunkt befindet. Die US-Gesundheitsbehörde verlangt etwa, dass Schiffe ansteckende Krankheiten und Todesfälle im Hafen melden. Auf internationaler See gilt das Recht des Flaggenstaates. Die nautischen Positionsdaten des Schiffes zum Todeszeitpunkt werden auf der Sterbeurkunde vermerkt.
Kosten und Transport
Die Kosten für die Überführung der Leiche werden nicht von der Reederei oder dem Reiseunternehmen übernommen. Größere Schiffe haben oft einen Seelsorger an Bord, der Trauernde unterstützt. Die Transportvorschriften für Leichen sind weltweit einheitlich: Ob auf dem Luft- oder Landweg – eine Leiche wird immer in einem verlöteten Zinksarg transportiert.



