Skandalsohn Marius Borg Høiby vor Gericht: Vaters kriminelle Vergangenheit rückt in den Fokus
Im trockenen, beklemmenden Raum 250 des Osloer Gerichtsgebäudes geht der Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) in die entscheidende Phase. Der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) steht wegen 38 Anklagepunkten vor Gericht, darunter vier mutmaßliche Vergewaltigungen. Während der siebte Verhandlungstag anbricht, wirkt Høiby entspannter als zuvor – dunkle Hose, hellblauer Pullover, kein Brillengestell, doch sein frisch bandagiertes linkes Handgelenk verrät innere Anspannung. Doch an diesem Tag dreht sich nicht nur um die aktuellen Vorwürfe, sondern auch um die belastende Familiengeschichte und seinen leiblichen Vater Morten Borg.
Vaters kriminelle Vergangenheit wird thematisiert
Eine Zeugin berichtet detailliert von der sogenannten „Absacker“-Party auf den Lofoten, wo Marius offen über seine Familie gesprochen haben soll. „Papa sei im Gefängnis gewesen und deshalb sei er so geworden, wie er ist“, habe er erklärt. Zunächst sei er charmant und zugewandt erschienen, doch im Laufe des Abends habe sich das Bild gewandelt, als Alkohol die Oberhand gewann. Sein leiblicher Vater, Morten Borg (57), wuchs in einem vornehmen Osloer Viertel auf, galt als privilegierter Party-It-Boy und bewegte sich in gehobenen Kreisen. Schon 1991 geriet er mit dem Gesetz in Konflikt, als er wegen Kokainbesitzes verhaftet wurde.
Im Gerichtssaal sitzt Marius regungslos da, starrt zunächst nach vorn, taucht aber im Verlauf des Tages immer mehr ab. Er greift zum Notizblock, kritzelt – Beobachter erkennen von Weitem ein Iglu oder eine Höhle, als wolle er sich symbolisch verkriechen. Während eine Vertraute des mutmaßlichen Opfers von Angst, Schmerzen und traumatischen Flashbacks spricht, beugt er sich tief über das Papier.
Der Abend auf den Lofoten und die Rolle des Kronprinzen
Immer wieder fällt der Name von Kronprinz Haakon (52), der ebenfalls beim Filmfestival in Henningsvær auf den Lofoten anwesend war. Sein Name wird an diesem Verhandlungstag mindestens zwölf Mal erwähnt, was für viele Norweger kaum zu ertragen ist. Nachdem die Bar geschlossen hatte, bot die Gruppe Marius einen Schlafplatz an, nachdem man sogar mit Haakon gesprochen und vereinbart hatte, ihn am nächsten Tag zurückzufahren. Doch die Stimmung kippte später.
Eine Vertraute schildert vor Gericht, wie die mutmaßliche Geschädigte erstarrt sei: „Der ganze Körper unter Vollspannung“. Sie leide unter Schlaflosigkeit, Übelkeit und Gedankenstürmen. Als die Polizei sie mit möglichen Beweisen konfrontierte, sei sie zusammengebrochen und habe um Hilfe gebeten. Ein weiterer Übernachtungsgast berichtet von Geräuschen, die nach Sex klangen, woraufhin er Kopfhörer aufsetzte.
Beweise und weitere Vorwürfe belasten den Angeklagten
Ein Schlafforscher erklärt, dass ein hoher Puls eher für Wachheit spreche und Alkohol diesen erhöhen könne. Daten einer Smartwatch, die den Puls misst, spielen eine Schlüsselrolle und passen zu den Aussagen der Geschädigten, wonach Marius in der Nacht ohne ihre Einwilligung Sex mit ihr gehabt haben soll. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm zudem Vergewaltigung ohne Geschlechtsverkehr vor, basierend auf Videos auf seinem Handy vom 24. März 2024. Die 103,18 Sekunden langen Aufnahmen sollen zeigen, wie er die Genitalien einer weiteren Frau berührt habe.
Diese Frau sagt aus, bis zur polizeilichen Vorladung im November 2024 nichts von den Videos gewusst zu haben. Als man sie ihr zeigte, sei sie „krank und wütend“ gewesen. Sie beschreibt sich als „ziemlich betrunken“ an dem Abend, an dem sie Marius auf einer Party kennengelernt habe. Bei Trinkspielen seien sie zum Kleidertausch aufgefordert worden, Fotos zeigen ihn in Frauenkleidung. Sie vermutet, dass er unter Kokaineinfluss stand, während sie selbst nur Alkohol getrunken habe.
Marius habe von „70.000 im Monat“ (etwa 6220 Euro) in norwegischen Kronen gesprochen, während bekannt ist, dass seine Mutter Mette-Marit ihm monatlich 20.000 Kronen (etwa 1779 Euro) zur Verfügung stellt. Später gingen sie in ihre Wohnung, wo sie Sex hatten, wie sie angibt. Sie nahm eine Schlaftablette, hatte am Morgen ein ungutes Gefühl mit Erinnerungsfetzen an grelles Licht und war froh, als er „blitzschnell verschwunden“ war. Im Gerichtssaal bricht sie in Tränen aus, während der Staatsanwalt einfühlsam reagiert. Marius bestreitet alle Vorwürfe, und die Verhandlung wird fortgesetzt.



