Dresden – „Ich sehe meine Narbe als Erinnerung, was passiert ist. Denn ich habe für etwas eingestanden, was richtig ist. Meine Narbe fühlt sich an wie ein Symbol“, sagt US-Tourist John Rudat (21), dem bei einem Dresden-Besuch von einem Syrer das Gesicht mit einem Messer zerschnitten wurde.
Acht Monate nach der Tat: Opfer trifft Täter vor Gericht
Acht Monate nach der hinterhältigen Attacke in einer Straßenbahn trifft das Messeropfer wieder auf die syrischen Angreifer – dieses Mal im Landgericht Dresden. Ex-Model Rudat war für seine Zeugenaussage aus Albany (New York) eingeflogen, trug einen dunkelgrauen Anzug, Hemd und Schlips. Die Angeklagten kamen in Schlabberhosen und Kapuzenpulli aus der U-Haft.
Tatort: Straßenbahn in der Dresdner Innenstadt
Knapp zwei Stunden beantwortete Rudat die Fragen der Richter, wie sich die Tat in der Bahn abgespielt hatte. So respektvolle Formulierungen hört man nicht oft in Gerichtssälen: „No, Sir …“ oder „Yes, Ma'am …“, begannen die Antworten des Amerikaners. Laut Anklage hatte Majd A. (22, arbeitslos) seine deutsche Freundin (18) in der Bahn geschlagen, als der Amerikaner couragiert dazwischenging. Anschließend schlug A. auch auf den US-Touristen ein, Komplize Ismail A. H. (20, Reinigungskraft) attackierte Rudat mit einem Teppichmesser.
Messeropfer will mit Narbe leben
BILD hatte das Messeropfer gleich nach der Tat getroffen – eine riesige Narbe durchzog sein Gesicht, genäht mit 40 Stichen. Heute sind die Wunden verheilt. Der US-Tourist ist der Dresdner Uniklinik dankbar: „Der Arzt, der die Verletzung zugenäht hat, hat eine großartige Arbeit geleistet.“ Er könne mit der Narbe leben, weitere OPs seien vorerst nicht nötig.
Kritische Fragen der Verteidigung
Die Pflichtverteidigerin des Frauenschlägers, Ricarda Dornbach (30), bat Rudat um Verständnis, dass sie auch kritische Fragen stelle: Was aus der GoFundMe-Sammlung (rund 90.000 Dollar) für Narbenkorrekturen wurde? Rudat sagte, dass vom Geld noch etwas übrig sei. Er überlegt, dies für eine Folge der Verletzung innerhalb der Nase zu nutzen, die ihn beim Atmen störe. Anschließend hielt Dornbach ihm einen Instagram-Kommentar vor. Eine Frau hatte in seinem Profil kommentiert: „Die deutsche Regierung schenkt denen noch Bürgergeld und die deutsche Staatsbürgerschaft … Ab ins Flugzeug.“ Rudat schrieb u. a. darunter (übersetzt): „Ich werde dafür sorgen, dass es für euch alle unterhaltsam wird.“ Der Vorsitzende Richter ging dazwischen und bat die Anwältin, den Zeugen nicht zu diskreditieren.
Täter entschuldigen sich
Schließlich entschuldigte sich Majd A. beim US-Amerikaner: „Es tut mir leid, weil wir Stress hatten und es eskaliert ist.“ Der Messerstecher sagte kleinlaut: „I'm sorry.“ Seine Verteidigerin erklärte in seinem Namen: „Ich hoffe, Sie können verstehen, dass nicht ich das war, sondern ich unter Drogen.“ Der Prozess wird fortgesetzt.



