Wohnmobil-Diebstahlserie in München: Gestohlener Camper nach spektakulärer Verfolgungsjagd in Polen sichergestellt
Seit Januar sind im Münchner Westen bereits fünf Wohnmobile gestohlen worden, was einen Gesamtschaden von rund 200.000 Euro verursacht hat. Eines dieser Fahrzeuge, ein Citroën Pössl im Wert von 50.000 Euro, ist nun nach einer filmreifen Verfolgungsjagd im Grenzgebiet zwischen Polen und Tschechien wieder aufgetaucht. Der Fahrer, ein 17-jähriger Jugendlicher, wurde von polnischen Polizisten mithilfe eines Nagelbandes gestoppt und anschließend festgenommen.
Der Diebstahl in München
Ein 65-jähriger Münchner hatte seinen Pössl-Camper in Moosach in der Hirschstraße geparkt. Als er am Donnerstag, dem 19. Februar, morgens nach seinem Fahrzeug sah, war es spurlos verschwunden. Der Besitzer erstattete umgehend Anzeige bei der Polizei, die eine umfassende Fahndung im gesamten Stadtgebiet einleitete. Die Daten des gestohlenen Wohnmobils wurden im Schengener Informationssystem (SIS) gespeichert, einem System zum Austausch von Fahndungsinformationen zwischen Polizeibehörden in 30 europäischen Staaten. Trotz dieser Maßnahmen blieb das Fahrzeug zunächst verschollen.
Die grenzüberschreitende Verfolgungsjagd
Am Donnerstagnachmittag der vergangenen Woche versuchten tschechische Polizeibeamten, einen Camper an der tschechisch-polnischen Grenze in Lubawka-Kralovec in der Woiwodschaft Niederschlesien zu kontrollieren. Diese Region liegt etwa 420 Kilometer östlich von München entfernt. Das Fahrzeug trug andere Kennzeichen als das gesuchte Wohnmobil, und der Fahrer ignorierte die Stoppsignale der Beamten, woraufhin er in Richtung der polnischen Grenze flüchtete. Eine grenzüberschreitende Fahndung der tschechischen und polnischen Polizei wurde eingeleitet.
Der Fahrer des flüchtigen Citroëns unternahm mehrere Versuche, seine Verfolger abzuschütteln. Erst in der Gemeinde Lubawka gelang es Polizisten, das Wohnmobil mithilfe eines über die Fahrbahn geworfenen Nagelgurtes zu stoppen. Der Fahrer verlor die Kontrolle über das Fahrzeug und rutschte mit dem Camper in eine Wiese. Der 17-Jährige sprang aus dem Pössl und versuchte, zu Fuß zu entkommen, wurde jedoch umgehend von Polizisten eingeholt und festgenommen.
Die Festnahme und Ermittlungen
Der Verdächtige, der aus der Gegend von Wałbrzych stammt, wurde in die Polizeistation Lubawka gebracht und sitzt derzeit in einer Haftzelle. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Hehlerei vor, und nach Angaben polnischer Behörden drohen ihm vier bis fünf Jahre Gefängnis. Der Teenager besitzt keine Fahrerlaubnis und war offenbar nur als Kurierfahrer angeheuert worden.
Eine Überprüfung des Wohnmobils durch den Münchner Polizeisprecher Christian Drexler bestätigte, dass es sich um das in Moosach entwendete Fahrzeug handelt. Es war mittlerweile mit Kennzeichendubletten versehen worden, die auf ein anderes existentes und zugelassenes Wohnmobil in Deutschland registriert waren. Dies deutet darauf hin, dass eine gut organisierte Bande hinter dem Diebstahl stecken könnte.
Die Serie von Wohnmobildiebstählen
Das sichergestellte Wohnmobil wird von den polnischen Behörden verwahrt, bis es an den Eigentümer übergeben werden kann. Das Kommissariat 54 hat die weiteren Ermittlungen übernommen. Die Polizei prüft derzeit, ob es einen Zusammenhang zwischen den fünf seit Jahresbeginn im Münchner Westen gestohlenen Campern gibt. Der Gesamtschaden dieser Diebstahlserie wird auf rund 200.000 Euro geschätzt, was die Dringlichkeit der Ermittlungen unterstreicht.
Diese Vorfälle werfen ein Schlaglicht auf die zunehmende Professionalität von organisierten Diebstahlbanden, die gezielt hochwertige Fahrzeuge wie Wohnmobile ins Visier nehmen. Die internationale Zusammenarbeit zwischen deutschen, tschechischen und polnischen Behörden zeigt jedoch, dass solche Straftaten auch über Ländergrenzen hinweg verfolgt und aufgeklärt werden können.



