Mordversuch per Auto: Urteil verzögert sich wegen Gutachterstreit
Mordversuch per Auto: Urteil verzögert sich

Der Prozess um einen mutmaßlichen Mordversuch mit einem Auto, bei dem der Fahrer seine Ex-Freundin in Waren an der Müritz fast getötet haben soll, verzögert sich. Wie ein Sprecher des Landgerichtes Neubrandenburg sagte, sind vier weitere Verhandlungstage nötig. So könnte ein Urteil, das ursprünglich für Mittwoch geplant war, nun erst am 4. Juni fallen.

Hintergrund sind nach Informationen des Nordkurier Meinungsverschiedenheiten zwischen Ankläger und den Verteidigern zu den rechtsmedizinischen Feststellungen einer erfahrenen Gerichtsgutachterin.

Verteidiger mit Gutachten unzufrieden

Diese hat die Zusammenhänge zwischen dem schweren Frontalzusammenstoß im Januar 2025 und den gesundheitlichen Zuständen des angeklagten Fahrers und der Geschädigten vor und nach dem Unfall untersucht. Nach Informationen unserer Zeitung soll der Verteidiger des 28-jährigen Angeklagten mit dem Ergebnis der Gutachterin nicht zufrieden gewesen sein. Deshalb soll es ein weiteres mündliches Gutachten dazu geben.

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Der Angeklagte, der aus dem Kosovo stammt, muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Laut Anklage war er der Ex-Freund der Frau in dem entgegenkommenden Wagen, einer 44-jährigen Pflegekraft.

Unfallhergang

Einem Verkehrsgutachter zufolge fuhr der Angeklagte am 23. Januar 2025 wohl absichtlich mit seinem Audi auf die linke Fahrspur, um den VW Scirocco der Ex-Freundin frontal zu rammen. Das habe die Untersuchung und die Auswertung von Videoaufnahmen einer Kamera aus dem Umfeld der Straße ergeben. Der 28-Jährige soll gewusst haben, dass die Frau damals genau dort entlangfuhr. Beide sollen bis eine Minute vor dem Unfall noch miteinander telefoniert haben.

Nach Einschätzung von Bekannten und der Polizei soll der Mann der Frau nachgestellt und deren Angehörige, die in einem Dorf bei Waren leben, schon vorher massiv bedroht haben. So wurden am Auto der 44-Jährigen auch Reifen zerstochen und eine Scheibe eingeschlagen.

Verheiratete Frau wird von Nebenklageanwalt vertreten

Dass er wusste, dass ihm die Frau damals entgegenkam, haben auch Retter und Feuerwehrleute berichtet. „Ich bin damals über die Beifahrerseite in sein Auto gestiegen, um ihm zu helfen“, sagte ein Rettungssanitäter als Zeuge. Der Angeklagte habe bei seiner Unfallbergung gefragt: „Ist Sie tot?“, „Habe ich sie getötet?“ und er habe damit die Ex-Freundin gemeint. Diese Frage habe sich mehrfach wiederholt.

Die 44-jährige Unfallgeschädigte befindet sich inzwischen seit 16 Monaten im Wachkoma. Sie muss intensiv gepflegt werden, kann unter anderem auch nicht mehr sprechen. Die verheiratete Frau wird im Prozess von einem Nebenklageanwalt vertreten.

Der Angeklagte hat auf Anraten seiner Anwälte bisher zu dem Anklagevorwurf geschwiegen. Sie führen ins Feld, dass ihr Mandant, der in Waren Abitur gemacht haben soll, wegen einer schweren früheren Erkrankung vielleicht aus gesundheitlichen Gründen nach links gefahren sein könnte. An jenem Tag kam der Angeklagte aus einem Fitnessstudio.

Dem Angeklagten droht eine längere Haftstrafe. Das Urteil will die Kammer nach jetziger Planung am 4. Juni verkünden.

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