Magdeburg-Prozess: Opfer klagt über geraubte Lebensjahre durch Weihnachtsmarkt-Attentäter
Opfer im Magdeburg-Prozess: Attentäter raubte beste Jahre

Emotionale Zeugenaussage im Magdeburger Amokfahrer-Prozess

Im extra errichteten XXL-Gerichtssaal in Magdeburg kämpft Dagmar A. (74) mit den Tränen, während sie ihre erschütternde Geschichte schildert. „Mein Mann und ich waren rüstig, sportlich, lebenslustig, reisten viel durch die Welt“, sagt die Rentnerin aus Meitzendorf. „Doch der Attentäter nahm uns unsere besten Jahre.“ Während ihrer emotionalen Aussage sitzt der angeklagte Amokfahrer Taleb al-Abdulmohsen gelangweilt in seinem Sicherheitsglas-Kasten und hört kaum zu.

Der schicksalhafte Abend auf dem Weihnachtsmarkt

Am 20. Dezember 2024 befand sich Dagmar A. mit ihrer gesamten Familie auf dem Magdeburger Weihnachtsmarkt. Ihr Stiefsohn Janko (44) war mit Ehefrau und dem fünfjährigen Sohn Leo extra aus den USA angereist. „Wir waren schon auf dem Heimweg“, erinnert sich die Zeugin. „Als ich die Scheinwerfer sah, dachte ich zuerst an einen Falschfahrer. Ich habe so etwas mal auf der Autobahn erlebt.“

Dann geschah das Unfassbare: „Ich spürte den Außenspiegel, konnte den Fahrer sehen. So dicht fuhr er neben mir her.“ Dagmar selbst blieb unverletzt, doch ihr Enkel Leo – US-amerikanischer Staatsbürger wie seine Eltern – wurde schwer verletzt. Der kleine Junge lag bewusstlos am Boden. Als er wieder zu sich kam, war sein Gesicht stark geschwollen und er spuckte Blut.

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Verheerende Folgen für die Familie

Die physischen und psychischen Wunden des Attentats sind bis heute tief. Dagmars Ehemann Peter (74) wurde vom SUV des Amokfahrers erfasst. „Sein Bein ist völlig zertrümmert“, berichtet seine Frau. „Heute ist mein Mann ein Pflegefall. Er hat sein Kurzzeit-Gedächtnis verloren. Am Nachmittag weiß er nicht mehr, was er zu Mittag gegessen hat. Er hat große Verlustängste. Ich kann kaum die Wohnung verlassen.“

Während ihrer Aussage schaut Dagmar A. bewusst zum Sicherheitsglas-Kasten, in dem der Angeklagte sitzt, und sagt: „Ich verstehe nicht, wie ein Mensch so etwas Unfassbares machen kann. Inzwischen ist viel Zeit vergangen, aber ich fasse es immer noch nicht.“ Der Angeklagte schaut währenddessen zu Boden, um der Zeugin nicht in die Augen sehen zu müssen.

Psychische Folgen und Gutachten

Schlafstörungen, Panikattacken und die ständige Sorge um ihren Ehemann sind seit dem Attentat die täglichen Begleiter der tapferen Rentnerin. Nach ihrer Zeugenaussage wurde Dagmar A. von Psychiater Jörg Twele begutachtet. Der Gutachter prüft, wie gravierend die psychischen Folgeschäden der Nebenklägerin sind und dokumentiert die langfristigen Traumata, die das Attentat bei den Opfern hinterlassen hat.

Die emotionale Aussage der 74-Jährigen unterstreicht die tiefgreifenden Auswirkungen, die der Amoklauf auf das Leben der Betroffenen hat – während der Angeklagte eine distanzierte, fast gelangweilte Haltung an den Tag legt.

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