Nach dem Diebstahl von Parkmünzen im Wert von rund 1,9 Millionen Euro hat das Landgericht Kempten ein Ehepaar zu jeweils fünfeinhalb Jahren Gefängnis verurteilt. Die 40-jährige Angeklagte und ihr 39-jähriger Ehemann müssen zudem der Stadt Kempten den gesamten Schaden ersetzen. Der ehemalige Mitarbeiter des Bauhofs hatte über mehr als zehn Jahre systematisch Geld aus Parkscheinautomaten entwendet, indem er die Quittungen vernichtete. Seine Ehefrau half ihm als sogenannte Logistikerin, das Geld abzuholen und auf Konten einzuzahlen.
Hintergrund der Tat
Der Beschäftigte der Stadt Kempten war für die Leerung der Parkscheinautomaten zuständig. Dabei bediente er sich immer wieder selbst, ohne dass dies zunächst auffiel. Die Quittungen aus den Automaten warf er weg, um die Spuren zu verwischen. Seine Frau unterstützte ihn, indem sie die Münzen zur Bank brachte und einzahlte. Erst als eine Bank wiederholt auffällige Geldeinzahlungen registrierte, kamen die Ermittlungen ins Rollen. Beide Angeklagten gestanden die Taten vor Gericht.
Umfang der Straftaten
Verurteilt wurden die beiden wegen mehr als 300 Fällen seit dem Jahr 2020, die einen Schaden von rund 1,34 Millionen Euro verursachten. Weitere mehr als 500 Fälle mit einer Schadenssumme von 584.000 Euro waren strafrechtlich verjährt. Dennoch wird die Justiz die Gesamtsumme von über 1,9 Millionen Euro zur Schadensbegleichung bei dem Paar einziehen. Der Vorsitzende Richter Christoph Schwiebacher betonte: „Das Ganze hat sich nicht gelohnt und soll sich auch nicht lohnen.“
Luxusleben auf Kosten der Stadt
Vor Gericht gab der Mann zu, dass das Paar sich mit dem gestohlenen Geld ein Luxusleben gegönnt habe. Sie kauften Pferde, Autos und teure Kleidung. Der Richter wies darauf hin, dass die Angeklagten nun in den nächsten 30 Jahren mit Pfändungen rechnen müssten. Die Stadt Kempten hat nach dem Vorfall die Arbeitsabläufe bei der Leerung der Automaten geändert und zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, um solche Taten in Zukunft zu verhindern.



