Polizei vermutete Gefahr für Christina Block nach Kinderentführung
Im laufenden Prozess vor dem Hamburger Landgericht hat eine Kriminalbeamtin als Zeugin ausgesagt, dass die Hamburger Polizei in den ersten Stunden nach der Entführung der Block-Kinder zunächst eine mögliche Gefährdungslage für die Mutter Christina Block annahm. Die 33-jährige Beamtin erklärte, sie habe am 1. Januar 2024 gegen Mittag von der dänischen Polizei den Auftrag erhalten, Christina Block über die Entführung ihrer beiden Kinder zu informieren.
Die Polizei konnte die Unternehmerin jedoch weder an ihrer Wohnadresse noch im familieneigenen Hotel „Grand Elysée“ antreffen. „Da es sich um eine vermögende Familie handelt, haben wir eine Gefährdungslage gesehen“, betonte die Zeugin. Es habe konkrete Befürchtungen gegeben, dass Christina Block etwas zugestoßen sein könnte.
Verdacht erst durch Navigationsdaten
Ein Tatverdacht gegen Christina Block habe sich laut Aussage erst ergeben, als in den Navigationsgeräten von zwei Mietfahrzeugen, die mutmaßliche Entführer am Flughafen zurückgegeben hatten, die Adresse des Elysées entdeckt worden war. An jenem Neujahrstag waren die beiden Block-Kinder, damals 10 und 13 Jahre alt, von den Entführern zu einem Bauernhof in Baden-Württemberg gebracht worden.
Von dort holte Christina Block die Kinder nach eigenen Angaben nach Hamburg. Der Unternehmerin wird vorgeworfen, einer israelischen Sicherheitsfirma den Auftrag zur Entführung gegeben zu haben. Die Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, bestreitet diese Vorwürfe entschieden.
Verteidiger sieht Bestätigung für fehlenden Vorsatz
Christina Blocks Verteidiger, Ingo Bott, wertete die Aussage der Kripobeamtin als deutliche Bestätigung dafür, dass seine Mandantin ohne kriminellen Vorsatz gehandelt habe. „Sie hat die Silvesternacht im Hotel gefeiert und danach zu Hause ausgeschlafen. Das widerspricht einem Tatplan fundamental“, argumentierte Bott vor Gericht.
Der Verteidiger betonte, die Polizei hätte Christina Block am Morgen des 1. Januar finden können, wenn sie ihren Auftrag konsequent verfolgt hätte. „Es hätte all das nicht funktionieren können, wenn die Polizei ihren Job gemacht hätte“, erklärte Bott mit Blick auf den Vorwurf, seine Mandantin habe den Entführungsauftrag erteilt.
Lebensgefährte als Mitangeklagter
Zu den sechs Mitangeklagten in dem Prozess gehört auch Christina Blocks Lebensgefährte Gerhard Delling (66), dem Beihilfe vorgeworfen wird. Der frühere Sportmoderator bestreitet, etwas Unrechtes getan zu haben. Die Kripobeamtin berichtete, die Polizei habe am Neujahrstag mehrmals mit Delling telefoniert.
Er habe angegeben, Christina Block nach der Silvesterfeier nach Hause gefahren zu haben, könne aber nicht sagen, wo sie sich aufhalte. Aus Sorge um seine Lebensgefährtin sei Delling bereit gewesen, mit einem Zweitschlüssel zu ihrem Haus zu fahren, um dort gemeinsam mit der Polizei nachzusehen.
Hintergrund des Sorgerechtsstreits
Die 52-jährige Christina Block führt seit Jahren einen erbitterten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel um die beiden jüngsten der vier gemeinsamen Kinder. Die Kinder waren im Sommer 2021 nicht wie vereinbart nach einem Wochenendbesuch bei ihrem Vater in Dänemark nach Hamburg zurückgekehrt.
Nach eigenen Angaben schickte Christina Block am Abend des Neujahrstages ein Foto von dem Bauernhof in Süddeutschland, auf dem sie mit den beiden schlafenden Kindern zu sehen war. Dellings Verteidiger erklärte nach der Aussage der Zeugin, sein Mandant habe lediglich gewusst, dass Christina Block eigenverantwortlich eine Reise angetreten habe und später einen Kontakt zwischen ihr und der Polizei hergestellt, um zu zeigen, dass es ihr und den Kindern gut gehe.



