Handyvideo dokumentiert Polizeieinsatz in Neustrelitz
Ein privates Handyvideo, das dem Norddeutschen Rundfunk zugespielt wurde, sorgt derzeit für erhebliche Aufregung und hat zu Ermittlungen gegen einen Polizeibeamten geführt. Die Aufnahme zeigt einen Vorfall auf dem Neustrelitzer Markt, der sich bereits im November des vergangenen Jahres ereignet haben soll.
Die Szene im Detail
Das Video dokumentiert eine Polizeikontrolle, bei der mehrere Beamte mit zwei jungen Männern sprechen. Zwischen einem der Jugendlichen und einem Polizisten entwickelt sich ein intensiver Wortwechsel. Deutlich sind aufgeregte Gesten zu erkennen, bevor der junge Mann eine ruckartige Bewegung ausführt – offenbar, um die Hand des Polizeibeamten wegzudrücken oder wegzuschlagen.
Daraufhin reagiert der Polizist unmittelbar: Er holt aus und verpasst dem Mann mit der flachen Hand eine heftige Ohrfeige. Der Getroffene taumelt sichtlich zurück und prallt gegen das danebenstehende Polizeifahrzeug. Der Norddeutsche Rundfunk zitiert den Betroffenen mit der Aussage, er habe den Polizeibeamten zu keinem Zeitpunkt angegriffen.
Hintergründe des Einsatzes
Laut Angaben des Schweriner Innenministeriums waren die Polizeibeamten aus Neustrelitz an jenem Abend wegen einer mutmaßlichen Schlägerei alarmiert worden. Vor Ort stellte sich jedoch heraus, dass es sich offenbar um einen Scherz der betrunkenen jungen Männer handelte, nicht um eine tatsächliche Auseinandersetzung.
Das Ministerium erklärt weiter, die beiden Männer hätten sich im Verlauf des Einsatzes „zunehmend verbal aggressiv und beleidigend“ verhalten. Der betroffene Polizist sei von einem bevorstehenden Angriff ausgegangen und habe entsprechend reagiert. Der gesamte Einsatz habe etwa zwanzig Minuten gedauert.
Ermittlungen aufgenommen
Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Christian Pegel von der SPD bestätigte, dass Polizei und Staatsanwaltschaft nach Kenntnisnahme des Videos „von Amts wegen“ ein Verfahren eröffnet hätten. Es werden nun umfassende Ermittlungen durchgeführt, Zeugen befragt und das Umfeld des Vorfalls aufgeklärt.
Staatsanwalt Michael Ziemke bestätigte auf Nachfrage des Nordkuriers die laufenden Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg führe gegen den Polizeibeamten ein Ermittlungsverfahren wegen des Tatvorwurfs der Körperverletzung im Amt. Mit den Ermittlungen sei das Dezernat für interne Ermittlungen beim Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern betraut.
Kritik am Vorgehen des Ministeriums
Im Norddeutschen Rundfunk erhebt Siegfried Stang, ehemaliger Leiter der Polizeiinspektion Neubrandenburg, schwere Vorwürfe gegen das Innenministerium. Das Haus von Minister Pegel habe viel zu spät und erst unter öffentlichem Druck reagiert. Dies erwecke zumindest den Anschein, man wolle den Vorfall decken oder herunterspielen.
Nach Angaben des Schweriner Innenministeriums sei der betroffene junge Mann wegen Körperverletzungs- und Widerstandsdelikten polizeibekannt. Die Staatsanwaltschaft wird in absehbarer Zeit eine Entscheidung treffen, ob eine Straftat vorliegt und Anklage erhoben wird oder ob der Vorfall als keine Straftat zu bewerten ist.



