Prozess gegen mutmaßliche Putsch-Komplizen: Angeklagter soll blutige Entführung von Lauterbach geplant haben
Mit Sturmgewehren wollten mutmaßliche „Reichsbürger“ einen TV-Auftritt des ehemaligen Gesundheitsministers Karl Lauterbach stürmen und ihn vor laufender Kamera entführen. Einer der mutmaßlichen Planer dieser Aktion, Achim M. (60), steht nun gemeinsam mit zwei weiteren Angeklagten vor dem Münchner Gericht. Die drei Männer sollen Teil der umstrittenen „Reichsbürger“-Gruppierung um Heinrich XIII. Prinz Reuß gewesen sein, die seit Jahren im Fokus der Sicherheitsbehörden steht.
Umfangreiche Terrorermittlungen und parallele Prozesse
Das Netzwerk um Prinz Reuß wird seit langem intensiv von den Ermittlungsbehörden beobachtet. Mehrere Beschuldigte befinden sich bereits seit längerer Zeit in Untersuchungshaft, und ein umfangreicher Terrorprozess läuft parallel am Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Laut den Ermittlern sollen die Angeklagten einen gewaltsamen Umsturz in Deutschland geplant haben, der die bestehende demokratische Ordnung erschüttern sollte.
Blutige Entführungspläne und Ministerambitionen
Nach Darstellung der Generalstaatsanwaltschaft wurde Achim M. spätestens im April 2022 umfassend in die Umsturzpläne eingeweiht. Dabei ging es unter anderem um die geplante Entführung von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach sowie um einen bundesweiten Stromausfall. Der Angriff auf Lauterbach sollte ausdrücklich blutig verlaufen, wobei „der Tod der Personenschützer billigend in Kauf genommen“ wurde, wie aus der Anklageschrift hervorgeht.
M. soll zugesagt haben, sich aktiv an der Aktion zu beteiligen, und verfügt über eine Ausbildung im Umgang mit Waffen. Zudem strebte er laut Anklage nach einer erfolgreichen Machtübernahme selbst ein Ministeramt an, was seine tiefe Verstrickung in die Putschpläne unterstreicht.
Telegram-Gruppen und internationale Kontakte
Der zweite Angeklagte soll bereits im Jahr 2021 ein Schreiben an den russischen Präsidenten Wladimir Putin unterzeichnet haben, in dem Unterstützung für die Wiedererrichtung des Deutschen Reiches erbeten wurde. Anschließend verwaltete er eine zentrale Telegram-Gruppe, in der Umsturzpläne diskutiert und die Beschaffung von Waffen organisiert wurde. Nach Einschätzung der Ermittler drängte er selbst auf eine schnelle Umsetzung der Pläne und beteiligte sich auch nach ersten Festnahmen mutmaßlicher Unterstützer weiter an den Planungen. Ihm war die Rolle des Ministers für öffentliche Arbeiten im geplanten „Präsidialstaat Königreich Preußen“ zugedacht.
Arbeit an neuer „Reichsverfassung“ und Proklamationen
Der dritte Angeklagte soll sich spätestens im März 2022 der Gruppierung angeschlossen haben. Ihm wird vorgeworfen, aktiv an einer neuen „Reichsverfassung“ sowie an einem eigenen Strafgesetzbuch mitgearbeitet zu haben. Zudem entwarf er laut Anklage eine Proklamation für den Tag der Machtübernahme. In der geplanten neuen „Reichsregierung“ war ihm das Amt des Umweltministers zugedacht, was die systematische Vorbereitung auf eine post-revolutionäre Ordnung zeigt.
Schweigen der Angeklagten am ersten Prozesstag
Am ersten Tag des Prozesses schwiegen alle drei Angeklagten zu den gegen sie erhobenen Vorwürfen. Dieses Schweigen unterstreicht die angespannte Atmosphäre im Gerichtssaal und die Schwere der Anschuldigungen. Die Ermittlungen und der Prozess verdeutlichen die anhaltenden Herausforderungen für die Sicherheitsbehörden im Umgang mit extremistischen Netzwerken, die gewaltsame Umsturzversuche planen.
Die weiteren Verhandlungstage werden zeigen, wie die Beweisführung der Anklage vor Gericht standhält und ob die Angeklagten ihre Strategie des Schweigens beibehalten oder zu den Vorwürfen Stellung nehmen werden. Der Prozess ist ein bedeutender Schritt im Kampf gegen extremistische Bestrebungen in Deutschland.



