Prozess in Neubrandenburg: Ex-Partnerin nach gezieltem Autocrash zum Pflegefall
Prozess: Ex-Partnerin nach Autocrash zum Pflegefall

Prozess in Neubrandenburg: Ex-Partnerin nach gezieltem Autocrash zum Pflegefall

Vor dem Landgericht Neubrandenburg hat ein aufsehenerregender Prozess begonnen, in dem sich ein 28-jähriger Mann wegen versuchten Mordes verantworten muss. Der aus dem Kosovo stammende Angeklagte soll am 23. Januar 2025 in Waren an der Müritz absichtlich mit seinem Audi frontal in den Wagen seiner 44-jährigen Ex-Freundin gefahren sein. Die schwer verletzte Frau musste nach sechs Monaten Klinikaufenthalt in eine Pflegeeinrichtung verlegt werden, wo sie dauerhaft leben muss.

Staatsanwaltschaft wirft heimtückisches Handeln vor

Die Staatsanwaltschaft Neubrandenburg wirft dem 28-Jährigen vor, mit "heimtückischen und gemeingefährlichen Mitteln" gehandelt zu haben. Laut Anklage beschleunigte der Mann sein Fahrzeug in einem Gewerbegebiet auf 78 Stundenkilometer und lenkte es dann gezielt nach links in den entgegenkommenden VW Scirocco seiner Ex-Partnerin. Ein Gutachten bestätigt, dass die Frau keine Ausweichmöglichkeit hatte. Bei der Kollision wurde ihr Wagen zehn Meter zurückgeschleudert und stark zerstört.

Verteidigung fordert kritische Beleuchtung der Beziehung

Der Verteidiger Jens Janssen kündigte zu Prozessbeginn an, dass sein Mandant sich nicht zum Strafvorwurf äußern werde. Stattdessen müsse die "On-off-Beziehung" zu der deutlich älteren Frau "kritisch beleuchtet" werden. "Die Beziehung war von einer großen Ungleichheit geprägt", erklärte Janssen. Die 44-Jährige hatte den Angeklagten wegen seiner schweren inneren Erkrankungen zeitweise gepflegt, bevor sich daraus eine Liebesbeziehung entwickelte.

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Der Anwalt kritisierte zudem, dass die Anklage verschweige, dass die Frau beim Unfall nicht angeschnallt gewesen sei. Hätte sie den Sicherheitsgurt angelegt, wären die Verletzungen laut Janssen weniger schwer ausgefallen. Zu diesem Punkt soll noch ein Kraftfahrzeuggutachter im Prozess aussagen.

Gesundheitliche Folgen und fehlende Erinnerungen

Die Geschädigte erlitt bei dem Unfall lebensgefährliche Verletzungen, musste in ein künstliches Koma versetzt werden und leidet weiterhin schwer unter den gesundheitlichen Folgen. Sie hat keine Erinnerungen an den Vorfall und wird im Prozess von einem Nebenkläger vertreten. Der Angeklagte selbst wurde ebenfalls schwer verletzt und mit dem Rettungswagen in ein Krankenhaus gebracht, während seine Ex-Partnerin per Rettungshubschrauber transportiert werden musste.

Komplexe Hintergründe und weitere Ermittlungen

Die Ermittlungen waren zunächst als "fahrlässige Körperverletzung" eingestuft worden, wurden aber nach mehreren Gutachten verschärft. Ende 2025 nahm die Polizei den inzwischen nach Emmendingen bei Freiburg gezogenen Mann in Untersuchungshaft und überstellte ihn nach Neustrelitz. Der Angeklagte leidet seit langem an schweren inneren Erkrankungen, die ihn stark einschränken und bereits zu zahlreichen Operationen führten. Er ist inzwischen Rentner und steht unter Betreuung.

In dem auf acht Verhandlungstage angesetzten Prozess sollen neben dem Fahrverhalten und der Schuldfähigkeit des Angeklagten auch Chatnachrichten diskutiert werden, in denen er seiner Ex-Partnerin gedroht haben soll, sie umzubringen, wenn sie sich von ihm trenne. Der Unfallort im Gewerbegebiet war damals zur Bergung und Beräumung mehrere Stunden gesperrt, wo sich die Helfer einem wahren Trümmerfeld gegenübersahen.

Der Prozess wird am Mittwoch, dem 15. April, mit Zeugen zur Beziehung der Beteiligten fortgesetzt. Das Urteil will die Kammer am 6. Mai verkünden und damit einen der schwerwiegendsten Fälle von Partnerschaftsgewalt in der Region abschließen.

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