Prozess zu griechischem Zugunglück mit 57 Toten: Angehörige werfen Regierung Vertuschung vor
Prozess zu Zugunglück in Griechenland: 57 Tote, Vorwürfe der Vertuschung

Prozess zu griechischem Zugunglück mit 57 Toten gestartet: Angehörige erheben schwere Vorwürfe

Gut drei Jahre nach dem schwersten Zugunglück in der Geschichte Griechenlands hat der Prozess gegen 36 Angeklagte in der mittelgriechischen Stadt Larissa begonnen. Die Justiz will nun endgültig klären, was genau am 28. Februar 2023 zu der verheerenden Katastrophe mit 57 Todesopfern bei Tempi geführt hat und wer dafür die Verantwortung trägt. In einem überfüllten Gerichtssaal machten aufgebrachte Angehörige der Opfer ihrem tiefen Ärger und ihrer Verzweiflung Luft und forderten die Angeklagten eindringlich auf, „den Mund zu öffnen“ und nichts zu verschweigen.

Die Tragödie von Tempi: Frontalzusammenstoß mit verheerenden Folgen

Bei dem verhängnisvollen Unglück auf der wichtigen Strecke zwischen Athen und Thessaloniki waren ein voll besetzter Intercity-Zug und ein Güterzug frontal zusammengestoßen. Die meisten der 57 Todesopfer waren junge Fahrgäste im Alter zwischen 15 und 25 Jahren, die sich auf einer Reise befanden. Hunderte weitere Menschen wurden bei dem Unglück verletzt, viele von ihnen erlitten schwere und lebensverändernde Verletzungen. Die Tragödie erschütterte das gesamte Land und löste eine landesweite Debatte über die Sicherheit des griechischen Eisenbahnsystems aus.

Kritik am maroden Bahnsystem und politische Konsequenzen

Unmittelbar nach der Katastrophe trat der damalige Verkehrsminister unter dem Druck der öffentlichen Empörung zurück. Der zuständige Bahnhofsvorsteher räumte gravierende Fehler im Betriebsablauf ein. In den Fokus der Untersuchungen rückten schnell tiefgreifende Defizite im griechischen Eisenbahnnetz, das seit vielen Jahren als veraltet, schlecht gewartet und unzureichend gesichert kritisiert wird. Experten wiesen auf mangelnde Investitionen, veraltete Sicherheitstechnik und personelle Unterbesetzung hin.

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Politische und gesellschaftliche Dimensionen des Falls

Der Fall hat erhebliche politische Dimensionen angenommen und die griechische Gesellschaft gespalten. Eine Ärztin, die ihre Tochter bei dem Unglück verloren hat, stellte wiederholt die Neutralität und Unabhängigkeit der Justiz infrage. Die Frau schließt die Gründung einer eigenen politischen Partei im Kampf gegen „systematische Korruption und Vetternwirtschaft“ nicht aus, wie sie öffentlich erklärte. Sie und zahlreiche andere Angehörige werfen der konservativen Regierung unter Premierminister Kyriakos Mitsotakis vor, wichtige Beweise vertuscht und die Aufklärung behindert zu haben.

Mehrere populistische Parteien solidarisierten sich demonstrativ mit den Hinterbliebenen und teilen die schwerwiegenden Vorwürfe. Sie versuchen offensichtlich, politisches Kapital aus dem tragischen Fall zu schlagen. Andere Angehörige distanzieren sich hingegen von dieser scharfen Kritik und betonen ihr grundsätzliches Vertrauen in die griechische Justiz und deren Fähigkeit, eine unabhängige Aufklärung zu gewährleisten.

Umfangreiches Verfahren mit Hunderten Zeugen

In dem komplexen und emotional aufgeladenen Verfahren werden mehr als 350 Zeugen erwartet, die zur vollständigen Aufklärung des Unglücks beitragen sollen. Rund 230 Menschen, darunter Angehörige der Opfer sowie Überlebende der Katastrophe, treten als Nebenkläger auf und wollen so sicherstellen, dass ihre Interessen und ihr Leid angemessen berücksichtigt werden. Gerichtsbeobachter und Medien rechnen mit einer Verfahrensdauer von mehreren Monaten, wenn nicht sogar Jahren, wie der griechische Rundfunk ERTNews berichtete. Der Prozess wird die griechische Öffentlichkeit noch lange beschäftigen und Fragen nach Verantwortung, Gerechtigkeit und notwendigen Reformen aufwerfen.

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