Wuppertal – Mit einer Ramme stießen vermummte Polizisten die Wohnungstür einer Familie auf und stürmten ins Kinderzimmer, um die Computer eines 15-Jährigen sicherzustellen. Der Jugendliche steht im Verdacht, ein Cyberkrimineller zu sein. Die Staatsanwaltschaft Wuppertal wirft ihm das Ausspähen von Daten vor. Er soll sich mittels einer großen Menge illegal beschaffter Kundendaten Zugang zu einem Online-Versandhandel verschafft haben. Dabei nutzte der Junge die Methode des sogenannten „Credential-Stuffing“. Bei dieser Vorgehensweise probieren Cyberkriminelle gestohlene Passwörter automatisiert auf vielen verschiedenen Websites aus, um sich unbefugten Zugang zu verschaffen.
25 Polizisten stürmen das Kinderzimmer
Am Montag um 18.11 Uhr drangen etwa 25 vermummte Polizisten der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) in das Haus an der Straße Gathe in Wuppertal-Elberfeld (NRW) ein. Die Aktion sollte schnell vonstattengehen. Staatsanwältin Angelina Engel erklärte gegenüber BILD: „Da von einer hohen Computeraffinität des Tatverdächtigen auszugehen war, entschied man sich für einen direkten Zugriff, um dem Tatverdächtigen keine Möglichkeit zu geben, Spuren zu verschleiern.“ Der Jugendliche wurde in der elterlichen Wohnung angetroffen. Der Durchsuchungsbeschluss für sein Zimmer war vom Amtsgericht Wuppertal angeordnet worden. Die Beamten beschlagnahmten mehrere Mobiltelefone, Computer sowie Speichermedien.
Junge bleibt in Obhut der Eltern
Laut Nachbarn stammt die Familie des Jungen aus Afghanistan, der Jugendliche selbst ist in Deutschland geboren und besitzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Nach der dreistündigen Razzia verblieb er in der Obhut seiner Eltern. Wie der beschuldigte Junge an die Kundendaten gelangte und ob er damit Beute gemacht hat, ist noch unklar. Die Ermittlungen werden zeigen, welchen Schaden der 15-Jährige angerichtet haben könnte.
Die Polizei stellte die vier Computer des Jugendlichen sicher und verstaute sie im Kofferraum eines Einsatzfahrzeugs. Die Nachbarschaft zeigte sich schockiert über das massive Aufgebot an Polizeikräften. Die Ermittlungen dauern an.



