Rotlicht-Prozess in Hannover: Koch soll chinesischen Prostitutionsring aufgebaut haben
Rotlicht-Prozess: Koch soll Prostitutionsring aufgebaut haben

Rotlicht-Prozess in Hannover: Koch soll chinesischen Prostitutionsring aufgebaut haben

Beim Betreten des Gerichtssaals im Landgericht Hannover verbeugen sich die Angeklagten höflich zur Begrüßung. Eine der Frauen weint dabei und versteckt beschämt ihr Gesicht. Sind dies die mutmaßlichen Köpfe eines chinesischen Prostitutionsrings in Deutschland? Der Auftakt des Rotlicht-Prozesses gegen drei Beschuldigte, die der China-Mafia zugerechnet werden, wirft diese Frage auf.

Angeklagter kam als Asylbewerber nach Deutschland

Im Mittelpunkt des Verfahrens steht Yucai Y. (56), der im Jahr 2002 als Asylbewerber nach Deutschland einreiste. Nach seiner Ankunft heiratete er und arbeitete in verschiedenen Städten als Restaurantkoch. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft soll der in Deutschland geduldete Y. – der den chinesischen Spitznamen „Alt, aber nicht tot“ trägt – seine Tätigkeit vom Koch zum Bordell-Manager umgestellt haben.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, gemeinsam mit den beiden Mitangeklagten Li W. (47) und Changzhen H. (43) jungen Chinesinnen ermöglicht zu haben, ohne gültige Papiere und an den Steuerbehörden vorbei in Deutschland der Prostitution nachzugehen. Die beiden Frauen sollen über Chats Termine mit Freiern vereinbart haben, wobei sie die Pseudonyme „Blumenfee“ und „Frieden ist Segen“ verwendeten.

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Großrazzia im August 2025 bringt Ring zu Fall

Bei einer umfangreichen Großrazzia im August 2025 wurde der mutmaßliche Prostitutionsring aufgedeckt. Die Ermittler hatten zuvor Telefone abgehört und konnten so dem Bordell-Kartell auf die Spur kommen. Anschließend nahmen sie das Trio fest. Es wird vermutet, dass zur bundesweit operierenden Bande weitere Mitglieder gehören.

Laut Anklage gab es eine klare Aufgabenteilung innerhalb des Rings:

  • Yucai Y. soll sich um die sogenannten Tagesterminwohnungen in Niedersachsen (Raum Hannover), Bremen, Schleswig-Holstein und Hessen gekümmert haben.
  • Er kassierte die Einnahmen und schaltete Anzeigen für die Prostituierten.
  • Die beiden Komplizinnen teilten über Chats den Frauen die Freier-Termine mit, protokollierten Besuchszeiten und Verdienst.

Die Prostituierten sollen zudem mit Videokameras überwacht worden sein. Im Zeitraum zwischen Dezember 2024 und August 2025 sollen neun käufliche Damen insgesamt rund 140.000 Euro Umsatz erzielt haben. Die Einnahmen wurden angeblich zwischen den Angeklagten und den Prostituierten aufgeteilt.

Angeklagter bestreitet Schleuser-Vorwurf

Yucai Y. ließ über seinen Anwalt Dr. Holger Nitz erklären, dass er mit der Einreise der Frauen nichts zu tun gehabt habe. „Er gab ihnen keine Vorgaben zu ihren Dienstleistungen. Sie haben selbst entschieden, welche sie anbieten“, so der Verteidiger. Die installierten Kameras hätten der Sicherheit der Prostituierten gedient und nicht ihrer Überwachung.

Die mitangeklagten Frauen wollen sich im weiteren Verlauf des Prozesses ebenfalls zu den Vorwürfen äußern. Ein Urteil wird für Mitte Mai erwartet. Der Prozess wirft ein Schlaglicht auf die Strukturen illegaler Prostitution und die mutmaßliche Beteiligung organisierter Kriminalität in Deutschland.

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