Rechte Gewalt in Sachsen: Jüngere Täter und steigende Gewaltbereitschaft alarmieren
Im Schatten der sächsischen Großstädte wächst die rechtsmotivierte Gewalt weiterhin, wobei Neonazis zunehmend junge Anhänger gewinnen. Diese Entwicklung hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Betroffenen und das gesellschaftliche Klima im Freistaat.
Statistik zeigt gemischtes Bild: Weniger Angriffe, mehr Betroffene
Die Anzahl rechtsmotivierter Angriffe in Sachsen hat im vergangenen Jahr nach Angaben der Opferberatungsstellen leicht abgenommen. Dennoch waren mehr Menschen von solchen Attacken betroffen, wie der Verein RAA Sachsen mitteilte. Demnach wurden im Vorjahr 292 Angriffe registriert, während es 2024 noch 328 waren. Die Zahl der Betroffenen stieg jedoch um 10 auf insgesamt 456 Personen.
Mehr als die Hälfte der Angriffe, genau 53 Prozent, waren Körperverletzungen. In 119 Fällen handelte es sich um Nötigungen und Bedrohungen. Diese Zahlen verdeutlichen die anhaltende Bedrohungslage für viele Menschen in der Region.
Besorgniserregende Verjüngung der Täter und hohe Gewaltbereitschaft
Auffällig ist, dass die Täter und Täterinnen immer jünger werden. Die Opferberatungsstellen warnen insbesondere vor der erfolgreichen Gewinnung zum Teil sehr junger Anhänger durch rechte Gruppen. Andrea Hübler, Geschäftsführerin des RAA Sachsen, betont die hohe Gewaltbereitschaft, die bei diesen Gruppen beobachtet wird.
Seit etwa drei Jahren wird eine Reorganisation rechter Gruppen registriert, die sich gezielt an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. Diese Entwicklung stellt eine besondere Herausforderung für die Präventionsarbeit dar.
Dunkelziffer durch nicht angezeigte Fälle
Die Statistik des RAA Sachsen umfasst auch Fälle, die nicht bei der Polizei angezeigt wurden. Dies geschieht häufig, weil die Opfer eine diskriminierende Behandlung durch Behörden fürchten. Von den im Vorjahr erfassten Angriffen waren mindestens 235 polizeilich bekannt, während 33 Fälle nicht angezeigt worden waren.
Diese Diskrepanz unterstreicht die Bedeutung unabhängiger Opferberatungsstellen, die ein realistischeres Bild der tatsächlichen Bedrohungslage liefern können.
Regionale Schwerpunkte: Landkreis Bautzen mit dramatischem Anstieg
Die häufigsten Angriffe gab es 2025 in den Großstädten Leipzig, Dresden und Chemnitz. Die wenigsten wurden im Vogtland, dem Landkreis Mittelsachsen und dem Erzgebirge gezählt. Anteilig zur Gesamtbevölkerung bildeten Chemnitz sowie die Landkreise Leipzig und Bautzen die Schwerpunktregionen.
Besonders alarmierend ist die Entwicklung im Landkreis Bautzen: Hier stieg die Zahl der Angriffe im Vergleich zu 2024 um ganze 62 Prozent. Andrea Hübler kritisiert, dass die Präsenz junger Neonazis, die oft mit Bedrohungen, Einschüchterungen und Gewalt einhergeht, in dieser Region zu oft bagatellisiert werde.
Normalisierung von Rassismus und notwendige Gegenmaßnahmen
Rassismus und andere Ideologien der Ungleichwertigkeit werden laut Experten zunehmend normalisiert und wirken sich in hohem Maße direkt auf Betroffene aus. Um dieser gefährlichen Entwicklung entgegenzutreten, braucht es eine aktive demokratische Zivilgesellschaft.
„Um dieser gefährlichen Entwicklung die Werte einer offenen Gesellschaft entgegenzusetzen, braucht es unbedingt weiterhin eine aktive demokratische Zivilgesellschaft, die bildet, berät, vor Ort engagiert ist, sich zusammentut und mit Engagement, Kreativität und Empathie gegenhält“, betont Hübler. Diese Aussage unterstreicht die Dringlichkeit gemeinsamer Anstrengungen für eine tolerante Gesellschaft.



