Ermittlungen gegen Sanitätskollektiv: Verdacht auf Diebstahl von Feuerwehr-Ausrüstung
Die Berliner Polizei und Staatsanwaltschaft führen umfangreiche Ermittlungen gegen das sogenannte Sanitätskollektiv Berlin durch. Im Zentrum der Untersuchungen steht der Verdacht, dass Mitglieder des selbsternannten Rettungsdienstes Ausrüstungsgegenstände der Berliner Feuerwehr gestohlen haben könnten. Die Ermittlungen erstrecken sich zudem auf Vorwürfe der gefährlichen Körperverletzung und Amtsanmaßung.
Staatsanwaltschaft bestätigt Verfahren
Staatsanwaltschaftssprecher Michael Petzold bestätigte gegenüber Medien, dass ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts der gefährlichen Körperverletzung und Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz läuft. „Das Verfahren betrifft den Einsatz eines Beschuldigten als vorgeblicher Rettungssanitäter auf einem Weihnachtsmarkt im Dezember vergangenen Jahres mit einer mutmaßlichen Infusion einer Kochsalzlösung bei einem Notfallpatienten“, so Petzold.
Durchsuchungen in Berlin und Brandenburg
Im Zuge der Ermittlungen wurden umfangreiche Durchsuchungsmaßnahmen durchgeführt:
- Die Staatsanwaltschaft erließ Durchsuchungsbeschlüsse für zwei Wohnungen von Beschuldigten im Alter von 20, 22, 23 und 25 Jahren
- Der Rettungswagen des Kollektivs wurde beschlagnahmt
- Brandenburger Polizeibeamte durchsuchten Wohn- und Geschäftsräume in Potsdam
- Berliner Polizisten rückten in die Jagowstraße in Spandau aus
- Ein Lkw war notwendig, um alle sichergestellten Gegenstände abzutransportieren
Umfangreiche Beweismittel sichergestellt
Bei den Durchsuchungen wurden zahlreiche Beweismittel gefunden:
- Ausrüstungsgegenstände der Berliner Feuerwehr, darunter Uniformteile, Einsatzbekleidung, Helme und Namensschilder
- Einsatz- und Notfallrucksäcke sowie medizinisches Gerät
- Sauerstoffflaschen und eine große Menge verschiedenster Medikamente
- Mehrere Ordner mit Patientenakten
Während der Durchsuchungsaktion kam es sogar zu einer Festnahme. Wie die Feuerwehr-Ausrüstung zum Kollektiv gelangte, ist noch unklar. Ermittelt wird, ob Mitglieder sie während Praktika, Hospitationen oder einer Mitgliedschaft in einer Freiwilligen Feuerwehr entwendet haben.
Kollektiv weist Vorwürfe zurück
Das Sanitätskollektiv Berlin weist die Vorwürfe zurück und beruft sich auf einen medizinischen Notstand. Das Kollektiv, das bei Festivals und Demonstrationen hilft, hat eine Potsdamer Adresse als Vereinssitz angegeben. Bereits am 10. Oktober 2025 informierte die Polizei die Senatsinnenverwaltung über einen geparkten Krankenwagen in Spandau mit den Aufschriften „Rettungsdienst“ und „Sanitätskollektiv Berlin“. Die Bezeichnung „Rettungsdienst“ dürfen sie jedoch nicht führen.
In sozialen Netzwerken zeigt das Kollektiv, wo ihre Mitarbeiter eingesetzt wurden, und präsentiert auf TikTok ihren Rettungswagen mit Blaulicht, den sie nach eigenen Angaben „gebraucht erworben“ und als „mobile Unfallhilfsstelle“ genutzt haben. Zu den Durchsuchungen wollte das Kollektiv keine Stellungnahme abgeben, da diese bei Privatpersonen stattgefunden haben.



