Chaos an Altkleider-Containern in Vorpommern: Müllberge und drohende Gebührenerhöhungen
Altkleider-Chaos in Vorpommern: Müllberge und höhere Gebühren drohen

Chaos an Altkleider-Containern: Bürger hinterlassen Müllberge – jetzt drohen höhere Gebühren

In der Region Vorpommern, insbesondere am mittleren Peene- und Tollensetal, eskalieren die Probleme mit Altkleider-Containern. Die kommunalen Recyclingstellplätze, traditionell Brennpunkte für Ordnung und Sauberkeit, verwandeln sich zunehmend in illegale Mülldeponien. Die Situation ist so gravierend, dass sogar der komplette Abbau der Container diskutiert wird.

Überfüllte Container und illegale Ablagerungen

Die Bürgermeister des Amtsbereiches Jarmen-Tutow schilderten bei ihrer jüngsten Zusammenkunft ein alarmierendes Bild: Die Altkleider-Behälter sind häufig innerhalb kürzester Zeit restlos gefüllt. Statt auf die nächste Abfuhr zu warten, deponieren viele Bürger ihre Sammelgut-Tüten einfach vor oder um die Metallboxen herum. Dabei landen längst nicht nur erlaubte Textilien und Schuhe in den Containern.

„Wir haben beispielsweise schon mal eine aufpumpbare Matratze da drin gehabt, da ging dann gar nichts mehr rein“, berichtete Frank Karstädt, Bürgermeister von Alt Tellin und Amtsvorsteher. Gemeindearbeiter mussten das sperrige Objekt mühsam herausschneiden. Ähnliche Vorfälle häufen sich in weiteren Dörfern rund um Jarmen und in der Peenestadt selbst.

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Vandalismus und rechtliche Grauzonen

Besonders prekär ist die Situation im Ortsteil Jagetzow. Dort stehen zwar zwei verschiedene Behälter, doch einer wurde vor längerer Zeit aufgebrochen. Seither verteilt sich der Inhalt vor dem Container, und Anwohner werfen zusätzlichen Abfall wie Linoleum hinzu. Beschwerden darüber erreichten auch die Lokalredaktion des Nordkuriers.

Thomas Lüthke, Leiter des Ordnungsamtes in Jarmen, bestätigte das Problem. „Der Behälter soll demnächst beseitigt werden, verbunden wahrscheinlich mit der Sicherstellung“, erklärte er. Rechtlich scheint jedoch niemand mehr für den Container zuständig zu sein: Er stammt von einer Firma, die 2024 die Altkleidersammlung im Amtsbereich aufgab und sich zurückzog.

Historische Entsorgungskrise und aktuelle Eskalation

Nach dem Rückzug des alten Dienstleisters dauerte es mehrere Monate, bis ein neuer Anbieter gefunden wurde. In dieser Zeit stapelten sich bei vielen Bürgern die Alttextilien zu Hause oder im Kofferraum. Nicht wenige entsorgten sie kurzerhand im Freien an Recyclingplätzen oder sogar in Papiertonnen.

Erst Anfang 2025 begann die Auslieferung neuer Behälter. Die meisten alten Container waren da bereits verschwunden – nur der in Jagetzow nicht. Zwischenzeitlich musste sogar der zentrale Jarmener Recyclingplatz am Rand des Schützenplatzes ohne Boxen für Alttextilien auskommen.

Drohende Kostenexplosion und Appell an die Bürger

Wegen der anhaltenden Probleme appellierte Thomas Lüthke im Amtsausschuss eindringlich an die Vernunft der Bürger. „Wenn sich der neue Anbieter ebenfalls zurückzieht, gerät die öffentliche Hand in Zugzwang“, warnte er. Besonders der Landkreis als untere Abfallbehörde wäre betroffen.

In benachbarten Regionen geschieht genau das: Das DRK Ostvorpommern-Greifswald kündigte an, seine über eine Partnerfirma verteilten Altkleidercontainer in den nächsten Tagen abtransportieren zu lassen. Sollte der Landkreis ein eigenes Sammelsystem für Textilien aufbauen müssen, würden die Gesamtkosten der Müllentsorgung vermutlich steigen.

Der Kosten-Bumerang für alle Bürger

Die erhöhten Kosten würden per Gebührenbescheid auf alle Bürger umgelegt. Damit würden letztlich jene zur Kasse gebeten, die durch illegale Ablagerungen und Vandalismus die Entsorgungskrise verschärfen. „Die Leute würden sich also langfristig selbst schädigen, wenn sie die Entsorgungsregeln nicht einhalten“, resümierte der Ordnungsamtsleiter.

Die Bilder von zugemüllten Recyclingplätzen – wie Ende Januar vor der Völschower Turnhalle, wo sich mitten im Schnee Berge von Textilien türmten – verdeutlichen die Dringlichkeit des Problems. Ohne ein Umdenken der Bürger und effektive Lösungen seitens der Behörden droht Vorpommern eine nachhaltige Verschlechterung der Entsorgungssituation mit finanziellen Folgen für alle.

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