Nach Gelsenkirchen-Millionencoup: Schließfach-Knacker häufen deutschlandweit ihre Überfälle
Nach dem spektakulären Millionenraub in Gelsenkirchen, bei dem Unbekannte etwa 3000 Schließfächer einer Sparkasse aufbrachen und vermutlich einen dreistelligen Millionenbetrag erbeuteten, häufen sich nun ähnliche Banküberfälle in ganz Deutschland. Die Polizei beobachtet eine deutliche Zunahme dieser kriminellen Methode und vermutet Nachahmungstäter, die auf schnelles Geld hoffen.
Neue Einbrüche in Stuhr, Wilhelmshaven, Halle und Bonn
Im jüngsten Fall drangen drei Schließfach-Knacker in blauen Overalls am vergangenen Freitag durch einen Lichtschacht in die Volksbank in Stuhr (Niedersachsen) ein. Nach ersten Ermittlungserkenntnissen brachen sie mehrere Sicherheitstüren auf, bevor sie zu den Schließfächern gelangten und insgesamt 14 Fächer öffneten. Zeugen beobachteten, wie die drei Männer nach der Tat zu einem Auto liefen, konnten jedoch nicht verfolgen, was danach geschah.
Bereits zuvor hatten Unbekannte in Wilhelmshaven zugeschlagen und dort 18 Sparkassen-Schließfächer geknackt. Wie die Täter in die gesicherten Räume gelangen konnten, ist laut Polizei noch unklar. Auch in Halle (Westfalen) und Bonn wurden ähnliche Versuche registriert, bei denen Bankfächer im Visier der Täter standen.
Ermittlungsgruppe "Gitter" jagt die Täter
Im Fall Stuhr sind nun elf Ermittler der Spezialgruppe "Gitter" mit den Ermittlungen beauftragt. Ein Polizeisprecher erklärte: "Die Ermittlungsgruppe prüft auch, ob es Zusammenhänge zu anderen Taten gibt." Tatsächlich deuten erste Hinweise darauf hin, dass es sich bei den Tätern in Wilhelmshaven ebenfalls um drei Personen gehandelt haben könnte.
Die Polizei sieht Parallelen zu den Geldautomatensprengungen der vergangenen Jahre. "Wir erkennen auch eine Häufigkeit. Ob das jetzt anhält, wissen wir bisher nicht", so der Sprecher weiter. Bei den Geldautomatensprengungen hatte es anfangs ebenfalls nur wenige Fälle gegeben, bevor die Zahlen schnell anstiegen.
Spektakulärer Ausgangspunkt in Gelsenkirchen
Der Auslöser für die aktuelle Welle von Schließfacheinbrüchen liegt erst wenige Wochen zurück: In Gelsenkirchen brachen Unbekannte in einer Sparkasse über 3000 Schließfächer auf. Die Beute wird auf einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag geschätzt, was diesen Fall zum bisher spektakulärsten seiner Art macht.
Ob organisierte Banden oder einzelne Trittbrettfahrer hinter den aktuellen Taten stecken, ist noch offen. Die Polizei warnt jedoch vor weiterer Zunahme dieser kriminellen Methode und bittet die Bevölkerung um Mithilfe. Wer im Fall Stuhr Hinweise hat, kann sich unter der Telefonnummer 05441 9710 bei der Polizei melden.
Seit dem Gelsenkirchen-Coup gab es mindestens vier weitere Einbrüche dieser Art, was die Befürchtung der Ermittler bestätigt, dass Nachahmer auf den Plan getreten sind. Die Entwicklung erinnert an frühere Wellen von Bankeinbrüchen, bei denen erfolgreiche Methoden schnell kopiert wurden.



