Solidaritäts-Demo für Collien Fernandes: Tausende erwartet in München gegen digitale Gewalt
Solidaritäts-Demo für Collien Fernandes in München

Solidaritäts-Demo für Collien Fernandes: Tausende erwartet in München gegen digitale Gewalt

Die bundesweite Protestwelle für Schauspielerin Collien Fernandes erreicht am Sonntag die bayerische Landeshauptstadt. Unter dem Motto "Digitale Gewalt bekämpfen – Betroffene schützen" ruft die Grüne Jugend München (GJM) zu einer Solidaritätsdemonstration am Königsplatz auf. Laut Kreisverwaltungsreferat sind 5000 Teilnehmer angemeldet, die Organisatoren erwarten jedoch mehrere tausend Menschen.

Bundesweite Bewegung gegen sexualisierte Gewalt

Die Demonstration in München ist Teil einer rasant gewachsenen Protestbewegung, die sich binnen weniger Tage über ganz Deutschland ausgebreitet hat. Auslöser sind die schweren Vorwürfe von Collien Fernandes (44) gegen ihren Ex-Mann Christian Ulmen (50), dem sie "virtuelle Vergewaltigung" vorwirft und den sie angezeigt hat. Seit Bekanntwerden des Falls erfährt die Schauspielerin eine enorme Welle der Unterstützung.

Bereits am vergangenen Sonntag demonstrierten in Berlin laut Polizei 6700 Menschen gegen sexualisierte digitale Gewalt, die Veranstalter sprachen sogar von der doppelten Teilnehmerzahl. Weitere Kundgebungen folgten:

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  • In Hannover versammelten sich am Mittwoch rund 2000 Menschen, darunter die ehemalige Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang, die eine Änderung der Gesetzeslage forderte.
  • Am Donnerstag fanden Demonstrationen mit mehreren tausend Teilnehmern in Hamburg, Nürnberg und Kassel statt.
  • In Hamburg sprach Collien Fernandes überraschend trotz zuvor erhaltenen Morddrohungen vor 17.000 Menschen – geschützt durch eine schusssichere Weste und Personenschutz.

Forderungen nach politischem Handeln

Die Organisatoren der Münchener Demo kritisieren scharf die aktuelle Rechtslage und das vermeintliche Systemversagen von Politik und Justiz. GJM-Sprecherin Aylin Zara Krüger erklärt: "Digitale Gewalt ist Ausdruck patriarchaler Machtverhältnisse, die sich im Netz fortsetzen. Betroffene erleben massive Grenzüberschreitungen, während sie gleichzeitig um Anerkennung und Gerechtigkeit kämpfen müssen."

Sie fügt hinzu: "Der Fall Fernandes zeigt auf erschreckende Weise, wie leicht Identitäten missbraucht und Menschen digital entwürdigt werden können – und wie langsam Politik und Justiz darauf reagieren. Dieses Systemversagen werden wir nicht länger akzeptieren."

Rechtlicher Hintergrund des Falls

Die Vorwürfe von Collien Fernandes wurden erstmals im "Spiegel" öffentlich. Die Schauspielerin erstattete 2024 Anzeige – zunächst in Berlin, später auch in Spanien. 2025 wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft Itzehoe vorübergehend eingestellt, wurde jedoch nach aktueller Medienberichterstattung wieder aufgenommen. Christian Ulmen hat sich bisher nicht öffentlich zu den Anschuldigungen geäußert, für ihn gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.

Neben München sind weitere Demonstrationen in Städten wie Köln, Lübeck, Oldenburg und Frankfurt geplant. Die Bewegung zeigt, dass das Thema sexualisierte digitale Gewalt die deutsche Gesellschaft tief bewegt und dringenden Handlungsbedarf signalisiert.

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