SOS-Kinderdorf-Gründer Gmeiner: Neuer Missbrauchsverdacht aus Deutschland aufgetaucht
Im Zuge der Missbrauchsvorwürfe gegen den Gründer von SOS-Kinderdorf, Hermann Gmeiner, ist nun auch ein Verdachtsfall aus Deutschland bekannt geworden. Wie der deutsche Förderverein SOS-Kinderdörfer weltweit mit Sitz in München bestätigte, hatte sich bereits im Jahr 2019 ein mutmaßliches Opfer an die Organisation gewandt. Diese Informationen wurden damals jedoch nicht an die österreichische Heimatorganisation von Gmeiner weitergeleitet.
Vorwürfe aus den 60er-Jahren
Der Verein SOS-Kinderdörfer weltweit stieß bei internen Recherchen auf Unterlagen, die auf den Vorfall hinweisen. Dabei soll es sich um mutmaßliche Belästigungen handeln, die in den 1960er-Jahren in Deutschland stattgefunden haben. Aus Gründen des Opferschutzes wurden weder der genaue Ort noch die näheren Umstände des Vorfalls öffentlich gemacht.
Warum wurde damals nicht reagiert? Dazu liegen laut Presseerklärung des Vereins keine Informationen vor. Mittlerweile wurden die Anschuldigungen jedoch an SOS-Kinderdorf Österreich weitergeleitet, wo sie in die laufenden Untersuchungen einfließen.
Österreichische Untersuchungen laufen
Bereits im vergangenen Herbst hatte SOS-Kinderdorf Österreich mitgeteilt, dass gegen Hermann Gmeiner glaubhafte Vorwürfe zu sexuellen und physischen Übergriffen gegen acht männliche Kinder und Jugendliche vorlägen. Seitdem werden in der globalen SOS-Kinderdorf-Bewegung intensiv Recherchen durchgeführt, die auch den deutschen Verdachtsfall einschließen.
Auch die österreichische Organisation nannte keine Details zu dem mutmaßlichen Vorfall in Deutschland, bestätigte aber, dass mehrere weitere Verdachtsfälle gegen Gmeiner aufgearbeitet werden. Diese umfassen explizit die nun bekannt gewordenen Informationen aus Deutschland.
Historischer Hintergrund
Hermann Gmeiner (1919-1986) hatte nach dem Zweiten Weltkrieg die SOS-Kinderdorf-Bewegung ins Leben gerufen, die sich weltweit für verwaiste und hilfsbedürftige Kinder einsetzt. Die aktuellen Enthüllungen werfen ein neues Licht auf die Gründungsfigur der Organisation und lösen in der internationalen Gemeinschaft Bestürzung aus.
Die Berichterstattung des Wiener Magazins „Falter“ hatte die neuen Ermittlungen angestoßen, die nun auch den deutschen Förderverein in die Pflicht nehmen. Die Aufarbeitung der Vorwürfe bleibt eine Herausforderung für die gesamte SOS-Kinderdorf-Organisation.



