Prozess um Tennisball-Attacke auf Maximilianeum: Aktivisten gestehen symbolische Hagelkorn-Aktion
Tennisball-Attacke auf Maximilianeum: Aktivisten vor Gericht

Prozess um symbolische Tennisball-Attacke auf Bayerischen Landtag

Vor dem Amtsgericht München müssen sich vier Aktivisten der Klimabewegung Letzte Generation verantworten. Die Angeklagten im Alter von 23 bis 63 Jahren gestehen ihre Beteiligung an einer ungewöhnlichen Protestaktion am 30. August 2023, bei der das denkmalgeschützte Maximilianeum – Sitz des Bayerischen Landtags – mit weiß eingefärbten Tennisbällen beworfen wurde.

Hagelkörner als Symbol für Klimawandel

Die Aktivisten wählten Tennisbälle als symbolische Hagelkörner, die in Bayern tatsächlich diese Größe erreichen können. Mit dieser drastischen Methode wollten sie auf die Dringlichkeit des Klimaschutzes aufmerksam machen und die Politik zum Handeln bewegen. Ein Video dokumentiert den Vorfall eindeutig und bestätigt die Teilnahme der Angeklagten.

Die Generalstaatsanwaltschaft München erhebt schwere Vorwürfe: "Bei ihren Aktionen begehen die Aktivisten immer wieder bewusst und zielgerichtet Straftaten, um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erreigen und in ihrem Sinne auf den Klimawandel aufmerksam zu machen", heißt es in der Anklageschrift. Besonders kritisiert wird, dass dabei regelmäßig Eigentum Unbeteiligter beschädigt und Passanten genötigt werden.

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Erheblicher Sachschaden am historischen Gebäude

Die Folgen der Aktion waren beträchtlich:

  • Der zentrale Eingangsbereich und die gesamte Hausfassade wurden mit zahlreichen Farbklecksen übersät
  • Über 30 Farbbombentreffer verunstalteten den Boden vor dem Haupteingang
  • Die historischen Holztüren des Maximilianeums trugen etliche Farbspritzer davon
  • Die Reinigungskosten belaufen sich auf knapp 40.000 Euro

Die Anklage spricht von gemeinschädlicher Sachbeschädigung und verweist auf bundesweit entstandene Schäden durch ähnliche Aktionen der Bewegung.

Protest als moralische Pflicht mit persönlichen Konsequenzen

Ein Angeklagter verteidigte vor Gericht seine Motivation: Der Klimaprotest sei für ihn eine moralische Pflicht gewesen. Gleichzeitig räumte er ein, dass die Aktion "zu nichts geführt" habe. Die persönlichen Konsequenzen sind gravierend:

  1. Anhäufung von 600 Tagessätzen an Geldstrafen
  2. Abbruch des Studiums aufgrund der juristischen Verfahren
  3. Zusätzliche 50 Tagessätze zu je zehn Euro (500 Euro) für zwei Angeklagte

Die Verfahren gegen zwei weitere Beteiligte wurden abgetrennt und werden separat verhandelt. Die Verteidiger Ömer Sahinci und Christian Gerber setzen sich für ihre Mandanten ein, während die Aktivisten inzwischen selbstkritisch reflektieren: Viele Mitglieder der Letzten Generation haben erkannt, dass ihre Protestmethoden kontraproduktiv waren, auch wenn das Anliegen des Klimaschutzes berechtigt bleibt.

Der Prozess wirft grundsätzliche Fragen auf über die Grenzen zivilen Ungehorsams in einer Demokratie und die Balance zwischen berechtigtem Protest und der Achtung von Privateigentum sowie denkmalsgeschützten Gebäuden.

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