Vorsitzender der Tierrettung Vorpommern-Greifswald wegen Untreue verurteilt
In einem aufsehenerregenden Gerichtsverfahren ist der Vorstandsvorsitzende der Tierrettung Vorpommern-Greifswald, Klaus Kraft, wegen Untreue schuldig gesprochen worden. Das Amtsgericht Greifswald verurteilte den Vereinschef in insgesamt 30 Fällen, die sich über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren erstrecken. Die verhängte Freiheitsstrafe von acht Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt, doch das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Drei Vorwürfe im Detail: Mietkosten, EC-Karte und Handyverträge
Die Anklage wirft dem Tierretter vor, zwischen Januar 2022 und Januar 2024 Vereinsgelder in dreifacher Hinsicht veruntreut zu haben. Erstens soll Kraft seinem Sohn eigenmächtig Mietkosten für ein Vereinsgebäude erlassen haben, was dem Verein einen Schaden von fast 2.000 Euro verursacht habe. Zweitens wird ihm vorgeworfen, dass sein Sohn eine Vereins-EC-Karte für die private Abholung eines Pkw aus Hessen genutzt habe, was zu einem Schaden von etwa 420 Euro geführt habe. Drittens geht es um 13 weitere Tatbestände im Zusammenhang mit Handyrechnungen und Mobilfunkverträgen des Angeklagten, die einen Schaden von rund 700 Euro verursacht haben sollen.
Angeklagter wehrt sich vehement und kündigt Berufung an
Klaus Kraft zeigt sich nach dem Urteil fassungslos und betont gegenüber Medien, er verstehe die Welt nicht mehr. „Ich sehe die Anklage als klaren Angriff auf meine Person und fühle mich zu Unrecht an den Pranger gestellt“, erklärt der Tierrettungs-Chef. Sofort nach der Urteilsverkündung habe er Berufung eingelegt. Kraft argumentiert, der Tierrettung sei kein Schaden entstanden, da er alle Rechnungen sofort beglichen habe, als die Vorwürfe erstmals aufkamen.
Zu den konkreten Vorwürfen erklärt Kraft:
- Das private Mobiltelefon, das auch als Notrufnummer für die Tierrettung diente, sei mit allen abgesprochen gewesen
- Der private Oldtimer, den sein Sohn in Hessen abholte, sollte nach dem Wiederaufbau als Versteigerungsobjekt für die Tierrettung dienen
- Die EC-Karte sei als Tankkarte verwendet worden, was ebenfalls abgesprochen gewesen sei
Konflikt mit Kreisverwaltung als möglicher Hintergrund
Klaus Kraft vermutet hinter den Vorwürfen auch einen Zusammenhang mit Unstimmigkeiten zur Kreisverwaltung Vorpommern-Greifswald. „Der Landkreis arbeitet seit geraumer Zeit nicht mehr mit unserer Tierrettung zusammen, und ich habe immer wieder den Eindruck, dass man in der Verwaltung persönlich Probleme mit mir hat“, so der Vereinsvorsitzende. Diesen Vorwürfen wolle er nun öffentlich entgegentreten.
Die Tierrettung Vorpommern-Greifswald: Ein wichtiger Dienstleister
Die Tierrettung Vorpommern-Greifswald ist seit Jahren kreisweit im Einsatz und unterstützt Behörden bei Tiernotfällen. Zu ihren Aufgaben gehören:
- Hilfe bei tiermedizinischen Notfällen, insbesondere bei Großtieren
- Schulung und Ausbildung von Tierrettern
- Unterstützung von Einsätzen wie der Rehkitzrettung mit moderner Drohnentechnik
- Assistenz bei Feuerwehreinsätzen, sobald Tiere betroffen sind
Der Verein finanziert sich laut eigenen Angaben zum größten Teil aus Spenden. Klaus Kraft betont, er habe in den Aufbau der Tierrettung am Medower Standort große private Summen investiert. Das Gerichtsverfahren hat während der Hauptverhandlung umfangreiche Beweismittel berücksichtigt, darunter die Vernehmung von vier Zeugen und die Einführung zahlreicher Urkunden. Der Ausgang der Berufung bleibt abzuwarten.



