Ex-Zoodirektor Udo Nagel im Gespräch: Vom Zoo-Direktor zum Philosophen im Ruhestand
Ex-Zoodirektor Nagel: „Ich muss Abstand zum Zoo lernen“

Vom Tierpfleger zum Zoo-Direktor: Udo Nagels Lebenswerk

Professor Udo Nagel sitzt pünktlich in einem Rostocker Café und nippt an seinem Milchkaffee. Ein Treffen im Zoo, den er fast ein halbes Jahrhundert lang leitete, lehnt er ab. „Ich muss immer noch Abstand lernen“, erklärt der 71-Jährige mit wehmütigem Unterton. Seine Verbindung zum Rostocker Zoo ist tief, doch der gebürtige Wismarer sucht heute bewusst Distanz zu seiner früheren Wirkungsstätte.

Eine Ära des Wandels im Rostocker Zoo

Udo Nagels Karriere begann 1976 als Tierpfleger, bevor er 1992 zum Geschäftsführer und Direktor aufstieg. Unter seiner Führung transformierte sich der Zoo von einer einfachen „Menagerie“ zu einer international anerkannten Einrichtung des Artenschutzes. Besondere Meilensteine waren die Eröffnung des Darwineums und des Polariums, die bis heute als seine bleibenden Verdienste gelten. „Die Ergebnisse müssen stimmen“, betont Nagel mit einer Mischung aus Strenge und Milde, die seinen Führungsstil prägte.

Das Leben nach der Zoo-Direktion

Heute besucht Nagel den Zoo nur noch selten – höchstens sechsmal im Jahr, zusätzlich zu einer Vorlesungsreihe im Modul Tiergartenbiologie an der Universität. „Ich treffe mich dort mit Studenten. Dann arbeiten wir“, erklärt er. Im Jahr seines Abschieds erhielt er nicht nur eine städtische Auszeichnung, sondern auch eine Ehrenprofessur. Seine Leidenschaft für Tiere bleibt ungebrochen: „Tiere arbeiten nicht mit List wie Menschen. Sie verhalten sich im Einklang mit den Gesetzen der Natur“, philosophiert er.

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Philosophische Einsichten und demokratische Werte

Nagel, der im April 72 Jahre alt wird, betont die Bedeutung des Zuhörens und des Respekts für andere Argumente. „Es ist wichtig, dem anderen und seinen Argumenten mindestens eine gewisse Berechtigung zuzugestehen“, sagt er. Diese Haltung sieht er als Grundlage sowohl für eine glückliche Ehe als auch für eine funktionierende demokratische Gesellschaft. Seine Reisen, etwa kürzlich nach Vietnam, und das jährliche Familientreffen auf seinem Hof in Lettland bieten ihm reichhaltige Inspiration.

Kulturelle Interessen und neue Lesegewohnheiten

Neben seiner Tierliebe schätzt Nagel Theater- und Opernbesuche. Er und seine Frau sind Mitglieder im Theaterförderverein und begrüßen den Neubau des Rostocker Theaters. Als Rotarier bleibt er aktiv, doch der Ruhestand ermöglicht ihm endlich Zeit für Belletristik. Aktuell liest er eine „sehr schön gestaltete“ Ausgabe von „Der alte Mann und das Meer“ – ein Weihnachtsgeschenk an alle vier Kinder in alter Tradition.

Zukunftsperspektiven: Von Computern zu Künstlicher Intelligenz

Die Weiterentwicklung des Zoos findet Nagels Zustimmung. „Alles entwickele sich weiter. Wie die Evolution“, bemerkt er. Er erinnert sich daran, wie er früher Computer in die Zooverwaltung integrierte, und sieht heute in der Künstlichen Intelligenz neue Chancen. Dennoch betont er: „Trotzdem bleibe aber der Mensch wichtig, der lernt und in die Tiefe geht“. Mit seinem dichten Bart und seinen weisen Worten verkörpert Udo Nagel heute etwas von einem Philosophen, der aus einem Leben voller Erfahrungen schöpft.

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