In der sächsischen Stadt Schkeuditz hat die Polizei am Sonntag einen aus seinem Gehege ausgebrochenen Tiger erschossen. Die neun Jahre alte Raubkatze mit dem Namen Sandokan wog rund 280 Kilogramm und war ein sogenannter Sibirischer Tiger. Zuvor hatte das Tier einen 72-jährigen Pfleger attackiert und schwer verletzt. Der Mann erlitt Biss- und Kratzwunden und musste in einem Krankenhaus operiert werden. Laut Staatsanwaltschaft Leipzig ist er noch nicht vernehmungsfähig.
Wie konnte der Tiger entkommen?
Der Tiger gehörte der ehemaligen Dompteurin Carmen Zander, die in Dölzig, einem Ortsteil von Schkeuditz, mehrere Tiger hält. Die Tiere leben dort in einem mit Maschendraht umzäunten Areal von der Größe eines durchschnittlichen Spielplatzes. Wie Sandokan entweichen konnte, ist bislang unklar. Die Staatsanwaltschaft Leipzig ließ das Gelände noch am Sonntag durchsuchen. Es soll geklärt werden, ob Sicherheitsvorschriften verletzt wurden und welche Rolle der verletzte Pfleger spielte.
Angst in der Kleingartenanlage
Nach dem Ausbruch machte sich der Tiger auf den Weg in Richtung einer nahegelegenen Kleingartenanlage. Anwohner wie Reiner Wieschollek, der sich mit einem Freund im Gartenhaus versteckte, berichten von einem Großeinsatz der Polizei mit mehreren Fahrzeugen und einem Hubschrauber. „Dann hab ich nur noch die Schüsse gehört“, sagte Wieschollek.
Warum keine Betäubung?
Die Entscheidung der Polizei, scharfe Munition zu verwenden, sorgt für Kritik. Anwohner Erhard Lüttich fragt: „Warum fragt man nicht erst mal im Zoo nach, oder schießt mit einem Betäubungsgewehr?“ Ein Polizeisprecher erklärte, es sei in der Kürze der Zeit nicht möglich gewesen, einen Tierarzt zu erreichen. Zudem habe von dem Raubtier eine unmittelbare Gefahr für die vielen Menschen in der Gartenanlage bestanden. Die Polizei verfüge nicht über Betäubungsgewehre.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun zu den genauen Umständen des Vorfalls. Der Tiger wurde auf einer Wiese in der Nähe der Kleingärten getötet.



