Prozess um Tötung im Imbiss: Angeklagter berichtet von ständiger Angst und Erniedrigungen
Tötung im Imbiss: Angeklagter spricht von permanenter Angst

Prozessauftakt in Potsdam: Angeklagter schildert jahrelange Demütigungen

Vor dem Landgericht Potsdam hat ein 51-jähriger vietnamesischer Staatsangehöriger zum Auftakt seines Prozesses über jahrelange Erniedrigungen und permanente Angstzustände gesprochen. Der Mann soll im Juni vergangenen Jahres seine damals 43-jährige Ex-Frau in deren Imbiss in Rathenow im Landkreis Havelland mit einem Messer getötet haben. „Es tut mir auch sehr leid“, sagte der Angeklagte vor der Kammer und schilderte eine Beziehung, die von ständigen Konflikten geprägt gewesen sei.

Arbeit ohne Bezahlung und verbale Attacken

Der Angeklagte berichtete, er habe für seine Ex-Frau „wie ein Sklave“ unentgeltlich in ihrem Imbiss gearbeitet. Seine Frau habe ihn über längere Zeit „wie einen Hund“ behandelt und regelmäßig mit ihm geschimpft, etwa weil er ihrer Ansicht nach zu langsam gearbeitet habe. „Du kriegst dann nichts mehr zu essen. Soll ich mal auf deinen Kopf klopfen?“ – solche Sätze seien laut seiner Aussage an der Tagesordnung gewesen. Diese ständigen Beschimpfungen hätten zu einem gekränkten Stolz geführt und seine Ehre beschädigt, wie er vor Gericht darlegte.

Ständige Vergiftungsangst und psychische Belastung

Besonders belastend sei für ihn die ständige Angst gewesen, von der Familie seiner Ex-Frau vergiftet zu werden. Mehrfach sollen ihre Brüder versucht haben, ihn mit „Drogen und Nervengift“ zu töten oder in die Abhängigkeit zu treiben. „Was ist, wenn ich drogenabhängig bin? Was soll aus mir werden?“ – diese Fragen hätten ihn permanent verfolgt. Aus Angst vor Vergiftungen habe er nur noch aus dem Wasserhahn getrunken. Der Angeklagte sprach zudem von einer psychischen Erkrankung und beschrieb Symptome wie ständige Angst sowie krampfende Hände und Füße. „Das ist nicht normal“, betonte er. Ein psychiatrischer Gutachter soll im Laufe des Prozesses zu diesen Aussagen Stellung nehmen.

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Tat im Affekt ohne Erinnerung

Die tödliche Attacke sei laut Angeklagtem im Affekt geschehen. Im Streit habe seine Ex-Frau gedroht, ihm die gemeinsamen Kinder vorzuenthalten. Dann sei es passiert. An die Tat selbst könne er sich nicht erinnern. „Ich bin aufgewacht und habe meine Frau blutend in der Ecke sitzen sehen“, schilderte er. Zunächst habe er gedacht, jemand anderes habe auf sie eingestochen, bevor er Hilfe geholt habe. Laut Staatsanwaltschaft griff der Mann zu einem Messer, als die Frau gerade Speisen vorbereitete, und versetzte ihr fünf Stiche mit einer 13 Zentimeter langen Klinge. Dabei wurden Lunge und mehrere innere Organe schwer verletzt. Die Frau starb später an inneren Blutungen im Krankenhaus.

Vergangenheit in Vietnam und aktuelle Haft

Der Angeklagte räumte ein, seine spätere Ex-Frau während der gemeinsamen Ehezeit in Vietnam gelegentlich geschlagen zu haben. Eine Ohrfeige sei „wie eine Verwarnung“ gewesen und nicht so schlimm, erklärte er. Hätte er später in Deutschland seine Frau geschlagen oder mit ihr geschimpft, hätte das womöglich zu seiner Entlastung geführt, meinte er. „Vielleicht wäre das besser gewesen“, führte er aus. Der Mann sitzt seit der Tat in Neuruppin in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind insgesamt neun Verhandlungstage angesetzt, in denen alle Aspekte dieser tragischen Geschichte aufgearbeitet werden sollen.

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